Figure Technology Solutions: Der einzige Blockchain-Kreditgeber mit AAA-Rating und 1,4 Milliarden Dollar monatlichem Volumen baut die „Fannie Mae“ für tokenisierte Kredite
Piper Sandler Global Exchange and Fintech Conference, 3. Juni 2026
Figure Technology Solutions nutzte seinen Auftritt auf der Piper Sandler Global Exchange and Fintech Conference, um eine unmissverständliche Botschaft zu senden: Das Unternehmen ist längst kein reiner Anbieter von Immobilienkrediten (HELOCs) mehr. CFO Minchung Kgil nutzte den Großteil ihrer Präsentation, um Figure als Blockchain-native Kapitalmarktinfrastruktur neu zu positionieren – ein System, das inzwischen ein monatliches Kreditvolumen von 1,4 Milliarden Dollar abwickelt, ein Wachstum von über 100 % gegenüber dem Vorjahr verzeichnet und eine bereinigte EBITDA-Marge von 50 % erzielt. Die Sitzung bot eine der bisher detailliertesten öffentlichen Darstellungen der strategischen Ausrichtung von Figure, deren Ambitionen weit über das Segment der Immobilienkredite hinausgehen, mit dem das Unternehmen bekannt wurde.
1,4 Milliarden Dollar im Mai und der dritte Monat in Folge über der Milliardengrenze
Die wichtigste Kennzahl, die am Morgen der Konferenz bekannt gegeben wurde, war das Kreditvolumen von 1,4 Milliarden Dollar im Mai – ein Anstieg von 5 % gegenüber dem Vormonat und eine mehr als doppelte Steigerung im Jahresvergleich. Damit hat das Unternehmen in drei aufeinanderfolgenden Monaten die Marke von 1 Milliarde Dollar bei den Kreditvergaben überschritten, verteilt auf über 380 Kreditpartner. Kgil wies die Investoren explizit darauf hin, den Jahresvergleich als aussagekräftigeren Indikator zu betrachten, um saisonale Schwankungen zu bereinigen. Die dreistellige Wachstumsrate ist der direkteste Beleg dafür, dass das Plattformmodell – bei dem Figure Ökosystemgebühren erhebt, anstatt das Kreditrisiko selbst zu tragen – in einer Weise skaliert, die mit der früheren Struktur als reiner Kreditgeber nicht möglich gewesen wäre.
Der AAA-Burggraben: Fünf Jahre Aufbauarbeit
Der wohl stärkste Wettbewerbsvorteil, den Kgil hervorhob, ist einer, der nicht kurzfristig kopiert werden kann. Im Sommer 2025 erhielt Figure von S&P und Moody’s AAA-Ratings für sein Blockchain-natives Verbriefungsinstrument. Kgil stellte klar, dass Figure das „einzige Unternehmen“ sei, das dieses Dual-Rating für eine Blockchain-native Verbriefungsstruktur erreicht habe. „Es braucht Zeit, Erfahrung und vor allem die Performance der Kredite, um solche Ratings zu erhalten“, sagte sie. Für jeden Fintech- oder Krypto-Wettbewerber, der in den Markt für tokenisierte Kredite eintreten will, stellt diese Zertifizierungslücke einen jahrelangen Vorsprung bei historischen Daten und regulatorischen Beziehungen dar, der nicht durch Abkürzungen zu schließen ist.
Das Verbriefungsprogramm reicht bis ins Jahr 2021 zurück, womit Figure über mehr als vier Jahre nachgewiesene Kredit-Performance auf der Blockchain verfügt – eine Dauer, die für institutionelle Käufer von Gesamtkrediten und Warehouse-Finanzierer von enormer Bedeutung ist, da sie das Kreditverhalten über verschiedene Zinszyklen hinweg bewerten müssen. Kgil merkte an, dass Figure auch im ersten Quartal 2026 – das sie als „schwieriges Marktumfeld für alle“ beschrieb – kontinuierlich am Kapitalmarkt präsent blieb, ohne die Verbriefungs- oder Kreditverkaufsprogramme zurückzufahren. Genau diese Beständigkeit über Zyklen hinweg ist es, die Ratingagenturen und institutionelle Käufer fordern, bevor sie Kapital in großem Umfang bereitstellen.
Der Kostenvorteil: 1.000 Dollar Origination-Kosten gegenüber 11.000 Dollar bei traditionellen Banken
Kgil veranschaulichte konkret, warum der Technologie-Stack von Figure echte neue Marktchancen schafft, anstatt bestehende Anbieter nur über den Preis zu verdrängen. Eine Kreditgenossenschaft, die einen Immobilienkredit über 50.000 Dollar über traditionelle Kanäle vergibt, hat mit etwa 11.000 Dollar an Bearbeitungskosten zu kämpfen, was die Wirtschaftlichkeit bei dieser Kredithöhe infrage stellt. Bei Figure liegen diese Kosten unter 1.000 Dollar. Die praktische Konsequenz: Kreditnehmer, die früher abgelehnt worden wären – weil der administrative Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag stand –, können nun über das Partnernetzwerk von Figure auf Kapital zugreifen. „Unsere Partner müssen niemanden abweisen, weil sie unser Ökosystem und unseren Tech-Stack nutzen“, erklärte Kgil. In Verbindung mit einer Abwicklungsdauer von fünf bis zehn Tagen gegenüber dem Branchenstandard von 45 Tagen ist das operative Angebot für Partnerbanken eindeutig.
Democratized Prime: Die Warehouse-Fazilität ohne Bankenabhängigkeit
Die wohl folgenreichste Produktentwicklung, die auf der Konferenz diskutiert wurde, hat bisher vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhalten: Democratized Prime, die dezentrale kurzfristige Warehouse-Finanzierungsfazilität von Figure. Kgil beschrieb das Problem präzise: Heute muss jeder Kreditgeber, der eine Warehouse-Linie sucht, monatelange Verhandlungen mit Banken führen, die mit hohen Anwaltskosten verbunden sind, und selbst Verlängerungen erfordern umfangreiche Prüfungen. Democratized Prime ermöglicht es einem Kreditgeber, sich innerhalb weniger Wochen an das Blockchain-Ökosystem von Figure anzuschließen, kurzfristige Warehouse-Finanzierungen aus Real-World-Asset-Protokollen (z. B. auf Solana) zu beziehen und schließlich zu langfristigen Kreditverkäufen oder Verbriefungen überzugehen, sobald die Assetklasse über eine ausreichende Marktinfrastruktur verfügt.
Die im Februar 2026 angekündigte Autokredit-Partnerschaft mit Agora Data ist das erste Live-Beispiel für dieses Modell außerhalb des Immobilienbereichs. Der Markt für Autokredite verfügt bereits über eine ausgereifte Verbriefungsstruktur und eine etablierte Basis an Käufern, was ihn zu einem natürlichen Einstiegspunkt macht. Kgil nannte Kredite für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Forderungen, Investitionsobjekte und Baukredite als nächste Kandidaten – allesamt mit dem entscheidenden Merkmal greifbarer Sicherheiten, die auf der Blockchain validiert und erfasst werden können. Die langfristige Vision ist, dass Figure Connect und Democratized Prime zusammen wie eine GSE-Infrastruktur (Government Sponsored Enterprise) fungieren: „Im Grunde das, was Figure im Bereich der Kapitalmarktinfrastruktur leistet“ – eine standardisierte, liquide Pipeline für Nicht-Agency-Kredite, die es in dieser Form bisher nicht gab.
YLDS Stablecoin: Eine renditebringende Abwicklungsschicht für Unternehmen
Der YLDS-Token von Figure, der bei der SEC als „Face Amount Certificate“ registriert und damit als Schuldtitel und nicht als passiver Stablecoin klassifiziert ist, fungiert als Abwicklungsschicht für das gesamte Ökosystem. YLDS erzielt derzeit eine Rendite von SOFR minus 35 Basispunkten, ist frei übertragbar und löst ein Reibungsproblem, das die Blockchain-Finanzwelt bisher behindert hat: die zwei- bis dreitägige Abwicklungsverzögerung herkömmlicher Bankensysteme. Kgil wies zudem auf einen regulatorischen Rückenwind hin, den Investoren im Zusammenhang mit dem CLARITY Act im Auge behalten sollten. Sollte das Gesetz verabschiedet werden und eine Verzinsung für passive Stablecoin-Bestände verbieten, wäre YLDS – da es als Wertpapier strukturiert ist – von dieser Einschränkung ausgenommen. Dies könnte ihn zum einzigen regelkonformen, renditebringenden Stablecoin für Unternehmenskassen machen. „Treasury-Manager wollen Stablecoins halten, fragen sich aber: Bringt das tatsächlich Rendite? Ich möchte mein Kapital nicht in etwas binden, das keine Erträge abwirft“, betonte sie.
Open Platform: Tokenisierung von Eigenkapital rund um die Uhr mit Echtzeit-Einblick
Weniger weit entwickelt, aber richtungsweisend ist die im Februar 2026 gestartete Open-Plattform von Figure, die Eigenkapital nativ auf der Blockchain tokenisiert – beginnend mit den eigenen Aktien von Figure. Diese Funktion ermöglicht den Handel rund um die Uhr, Peer-to-Peer-Aktienkredite und das, was Kgil als Echtzeit-Transparenz des Kapitalisierungstisches (Cap Table) für Emittenten bezeichnet: die Möglichkeit, jederzeit zu sehen, wer das Eigenkapital hält, ohne auf vierteljährliche 13F-Einreichungen warten zu müssen. Während der Zeitplan für die institutionelle Einführung von tokenisiertem Eigenkapital noch ungewiss ist, ist die Infrastruktur live, und Figure nutzt sich selbst als ersten Testfall – ein Zeichen für die eigene Überzeugung oder eine Absicherung gegen das Henne-Ei-Problem, das die Einführung der Tokenisierung bisher gebremst hat.
Umsatzmix und Margenentwicklung
Kgil legte offen, dass Ökosystemgebühren – also Einnahmen, die Figure aus dem über den Marktplatz abgewickelten Volumen erzielt, statt aus der eigenen Kreditvergabe – bereits etwa 50 % des Gesamtumsatzes ausmachen. Das erklärte Ziel ist es, diesen Anteil in den kommenden Jahren auf „die überwiegende Mehrheit“ des Umsatzmixes zu steigern, was dem Margenprofil eines Plattformunternehmens entspricht, das Figure anstrebt. Mit einer bereinigten EBITDA-Marge von derzeit 50 % operiert Figure bereits auf einem Niveau, das die meisten Fintechs jahrelang versprechen, aber selten erreichen. Kgil deutete an, dass die Deckungsbeiträge bei zusätzlichem Marktplatzvolumen hoch seien, was darauf hindeutet, dass die operative Hebelwirkung eine weitere Margenausweitung unterstützen sollte, sobald Democratized Prime und weitere Assetklassen integriert sind. Sie lehnte es ab, spezifische Fünfjahresziele zu nennen, betonte jedoch unmissverständlich, dass eine hohe Profitabilität und starke Margen auch in Zukunft erwartet werden.
Regulatorischer Rückenwind, aber keine Abhängigkeit
Kgil äußerte sich besonnen zur regulatorischen Frage und merkte an, dass „Figure in jedem regulatorischen Umfeld und unter jeder Regierung florierte und gewachsen ist.“ Das Unternehmen besitzt Lizenzen für Kreditvergabe und -verwaltung in allen US-Bundesstaaten, betreibt einen registrierten Broker-Dealer und hat in den letzten Jahren von der SEC für mehrere Produkte Anerkennung erhalten – nichts davon erforderte die aktuell wohlwollendere Haltung der Regierung gegenüber der Tokenisierung. Der Rückenwind durch das wachsende institutionelle Bewusstsein für Tokenisierung und die anstehende Stablecoin-Gesetzgebung sei willkommen, aber die zugrunde liegende Compliance-Infrastruktur sei unter weniger günstigen Bedingungen aufgebaut worden. Diese regulatorische Beständigkeit, gepaart mit den AAA-Verbriefungsratings und der landesweiten Lizenzierung, stellt eine Markteintrittsbarriere dar, für die die neuere Generation von Krypto-nativen Real-World-Asset-Plattformen noch nicht die Zeit oder die historische Performance-Datenbasis hat.