XPeng Q1 2026: GX-Auftragsbestand bei 30 Wochen Lieferzeit – Fokus auf Physical AI
XPeng Q1 2026 Earnings Call, 28. Mai 2026 – Auslieferungsprognose für das zweite Quartal steigt um über 60 %; starke Nachfrage nach Flaggschiff-SUV sowie Fortschritte bei Robotaxi, Humanoiden und Auslandsgeschäft
GX-Nachfrage übersteigt das Angebot
Der wohl wichtigste Datenpunkt des Q1 2026 Earnings Calls von XPeng war das Nachfragesignal für das neu eingeführte Flaggschiff-SUV GX, das seit dem 20. Mai erhältlich ist. CEO He Xiaopeng erklärte gegenüber Analysten unmissverständlich: „Die Performance des GX übertrifft unsere Erwartungen“, was durch die Bestelldaten untermauert wird. Die Ultra-Flaggschiff-Variante mit einem Preis von über 350.000 RMB macht mehr als 80 % der ersten Festbestellungen aus – ein Trend, der sich weiter verstärkt. Die Lieferzeiten für dieses Topmodell belaufen sich bereits auf über 30 Wochen, ein ungewöhnlich langer Rückstau für ein chinesisches Elektrofahrzeug, das erst seit knapp einer Woche auf dem Markt ist. CFO James Wu bestätigte, dass der GX die höchste Bruttomarge im gesamten Portfolio aufweise und die meisten SKUs die internen Margenziele übertreffen; lediglich eine Konfiguration liege unter den Erwartungen. Das Management prognostiziert für das zweite Quartal eine Bruttomarge auf dem Niveau des ersten Quartals (20,6 %). Dies deutet darauf hin, dass der positive Mix-Effekt des GX die anhaltenden Belastungen durch steigende Rohstoffpreise für Speicherchips und Batterien, die die Fahrzeugmargen im ersten Quartal drückten, weitgehend kompensiert.
Eine Nuance ist bemerkenswert: Die MAX-Version des GX macht derzeit weniger als 5 % des Auftragsvolumens aus, was unter den Erwartungen von XPeng liegt. Die Version mit verlängerter Reichweite (Extended-Range) startete verhalten, gewann jedoch durch gezieltes Marketing in den westlichen und nördlichen Regionen Chinas an Dynamik. Diese Entwicklungen ändern zwar nichts an der positiven Nachfrageprognose, zeigen aber, dass das Ultra-Premium-BEV-Modell das kommerzielle Narrativ aktuell fast allein trägt. Das Management betonte explizit, dass künftig der kommerzielle Wert und nicht die Volumenmaximierung das maßgebliche Prinzip für die Preis- und Konfigurationsstrategie des gesamten Sortiments sei.
Q2-Wende als entscheidendes Ereignis
XPeng erwartet für das zweite Quartal 2026 Auslieferungen zwischen 100.000 und 106.000 Einheiten, was einem sequenziellen Wachstum von 59 % bis 69 % gegenüber dem ersten Quartal (62.680 Fahrzeuge) entspricht. Die Umsatzprognose von 19,6 bis 20,8 Milliarden RMB impliziert ein Quartalswachstum von etwa 50 % bis 60 %. Die Zahlen für das erste Quartal waren isoliert betrachtet schwach – der Gesamtumsatz sank im Jahresvergleich um 17,6 % und gegenüber dem Vorquartal um 41,4 %, der Fahrzeugumsatz ging um 23,5 % zurück und das Unternehmen rutschte von einem Nettogewinn von 380 Millionen RMB im vierten Quartal in einen Nettoverlust von 1,78 Milliarden RMB im ersten Quartal. Das Management stufte das Quartal jedoch als bewusste saisonale Talsohle und nicht als strukturelle Verschlechterung ein. He Xiaopeng war eindeutig: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Auslieferungen in jedem der verbleibenden Quartale dieses Jahres deutlich gegenüber dem Vorquartal steigen werden.“
Der Hochlauf wird durch vier neue SUV-Modelle getrieben, die innerhalb der nächsten sechs Monate auf den Markt kommen, beginnend mit dem GX. Alle Modelle sind mit dem Turing SoC und der von XPeng als VLA 2.0 bezeichneten intelligenten Fahrtechnologie ausgestattet. Zudem profitiert das Unternehmen von der vollständigen Umstellung des bestehenden Modellangebots auf den Turing SoC. Dieser Übergang kommt bei den Kunden gut an: Mehr als 85 % der Käufer des Mona M3 entscheiden sich mittlerweile für die MAX- oder Ultra-SE-Varianten; die A-Klasse-Limousine hält seit 19 Monaten in Folge die Spitzenposition in ihrem Segment.
Auslandsgeschäft: Der unterschätzte Profitabilitätsmotor
Vice Chairman Brian Gu erläuterte von Österreich aus, dem Sitz des Fertigungspartners von XPeng, warum internationale Märkte nicht nur strategisch, sondern auch finanziell von zentraler Bedeutung sind. Internationale Fahrzeugverkäufe seien „deutlich besser, selbst angesichts der offensichtlichen Zollproblematiken“, und generierten „signifikant höhere Brutto- und Nettogewinnbeiträge“ im Vergleich zum Inlandsgeschäft. Internationale Auslieferungen machen bereits fast 20 % des monatlichen Volumens aus, gegenüber etwa 10 % im Gesamtjahr 2025. Das Management erwartet, dass der internationale Umsatz ab dem zweiten Quartal mehr als 20 % des Gesamtumsatzes ausmachen wird, mit dem Ziel, dieses Niveau von über 30 % bis zum Jahresende zu halten.
Die Fertigungsbasis wird entsprechend erweitert: Montagebetriebe in Indonesien und Malaysia bedienen die lokale Nachfrage in Südostasien, die Magna-Partnerschaft in Österreich deckt Europa ab, wobei XPeng davon ausgeht, dass der Großteil der europäischen Verkäufe auf lokal gefertigte Komponenten entfällt. He Xiaopeng gab das Fünfjahresziel aus, 50 % des Umsatzes und Gewinns aus Überseemärkten zu erzielen – ein Schritt, der das Finanzprofil des Unternehmens grundlegend transformieren würde. Der kurzfristige Meilenstein ist das Erreichen von monatlich über 10.000 Auslieferungen im Ausland im vierten Quartal sowie eine mehr als doppelte Steigerung des internationalen Gesamtjahresvolumens.
VLA 2.0: Skalierungsgesetze und die August-Wende
XPeng bekräftigt, dass sich sein Vision-Language-Action-Modell (VLA) gemäß den KI-Skalierungsgesetzen entwickelt. Der April-Datenpunkt, wonach die ADAS-Kilometerleistung bei Fahrzeugen mit VLA 2.0 erstmals 50 % überstieg, bildet das empirische Fundament für diese Argumentation. He Xiaopeng bezeichnete VLA 2.0 als „einen Hauptgrund, warum sich Kunden für XPeng entscheiden, was einen starken und dauerhaften Markennutzen schafft.“
Das nächste Funktions-Update ist für das dritte Quartal, speziell für August, geplant. Das Management erwartet eine „signifikante Leistungsverbesserung“ in Bezug auf das subjektive Systemempfinden – flüssiger, intelligenter, bessere Generalisierung –, anstatt nur technische Basiswerte zu priorisieren. Ein zweites OTA-Release ist für das Jahresende vorgesehen. He Xiaopeng äußerte eine zukunftsweisende Erwartung: „Ich glaube, dass wir durch die schrittweise F&E-Entwicklung in der Lage sein werden, L4-Softwarefähigkeiten auf L2-Hardware zu erreichen. Zu diesem Zeitpunkt erwarten wir enorme Veränderungen des Geschäftsmodells in jeglicher Form.“ Er lehnte es ab, dies weiter zu präzisieren, da es sich um laufende Arbeiten handele.
XPeng testet VLA 2.0 zudem in Europa und hofft auf behördliche Zulassungen in mehreren Ländern im Jahr 2027, was die Grundlage für den internationalen Einsatz von Robotaxis bilden soll.
Robotaxi: Kommerzielle Chance nach 2027
Hinsichtlich des Robotaxi-Geschäfts dämpfte He Xiaopeng die Erwartungen. Derzeit beschränken sich die Aktivitäten auf Guangzhou unter bestehenden Lizenzen. Trotz der verschärften Regulierung für autonome Fahrzeuge in China sieht das Management keine wesentliche Beeinträchtigung des Entwicklungstempos. Die Einschätzung lautet: „Nach 2028 erwarten wir eine riesige kommerzielle Chance für Robotaxis.“ 2027 plant XPeng den Start einer speziellen Plattform für Economy-Fahrzeuge, um das Robotaxi-Geschäftsmodell im Inland zu validieren.
XPeng setzt auf ein Asset-light-Modell: Das Unternehmen verkauft Fahrzeuge und Technologie an Betriebspartner, erhält Provisionen für den Einsatz und verzichtet auf den direkten Betrieb von Taxiflotten. He Xiaopeng betonte, dass man seit der Ankündigung des GX als massenproduziertes, Robotaxi-fähiges Fahrzeug – das erste seiner Art in China mit vollständiger Hardware-Redundanz – erhebliches Interesse von potenziellen Partnern aus dem In- und Ausland erhalten habe. Die regulatorische und kommerzielle Skalierung bleibt laut Management jedoch ein Thema für die zweite Hälfte des Jahrzehnts.
Humanoide Roboter: Ziel der Massenproduktion zum Jahresende
Das humanoide Roboterprogramm von XPeng, „Ren“, wurde so detailliert wie noch nie vorgestellt. Das Management plant die Massenproduktion für Ende des Jahres, mit ersten kommerziellen Testeinsätzen in XPeng-Showrooms, gefolgt von Auslieferungen an Geschäftskunden in China und Übersee im Jahr 2027. Eine Version der nächsten Generation mit mehrsprachiger Kommunikation, menschenähnlichen Bewegungen und autonomer Aufgabenbewältigung soll im dritten Quartal präsentiert werden.
He Xiaopeng differenzierte sich vom Wettbewerb über die Fertigungsqualität: Während die meisten konkurrierenden Roboter auf dem Niveau von Konsumgütern gebaut seien, entwickle XPeng Ren nach Sicherheits- und Zuverlässigkeitsstandards der Automobilindustrie und binde bestehende Zulieferer ein. Das Unternehmen hat zudem eine eigene, geschicktere und deutlich kostengünstigere Hand-Einheit entwickelt.
Zur Wirtschaftlichkeit äußerte sich He Xiaopeng offen: Die Kostenstruktur eines humanoiden Roboters ähnele heute der eines Autos, doch die Hardware-Margen seien aufgrund der hohen Rechenleistung pro Einheit attraktiver, ergänzt durch Software-Lizenzen und Cloud-Modell-Umsätze. Zur Frage der Wirtschaftlichkeit im Ausland sagte der CEO: „In Überseemärkten kann die Amortisationszeit deutlich kürzer sein als in China, weshalb es für Geschäftsinhaber dort wirtschaftlich sinnvoller ist, humanoide Roboter zu kaufen.“ Er sieht in internationalen Märkten ein höheres kommerzielles Potenzial, ähnlich wie bei den Elektrofahrzeugen.
F&E-Strategie und Bilanz
Die F&E-Ausgaben stiegen im ersten Quartal 2026 um 46,8 % auf 2,91 Milliarden RMB. Das Management bezeichnete dies als bewusste Beschleunigung im Zuge der Physical-AI-Investitionsstrategie. Mit einer Liquidität von 42,09 Milliarden RMB zum Ende des ersten Quartals verfügt das Unternehmen über einen soliden finanziellen Spielraum. Ab dem zweiten Quartal beginnt XPeng mit der Auslieferung des Turing SoC an Volkswagen. VP Charles Zhang bestätigte, dass die Umsatzprognose für Technologie- und Dienstleistungen im Jahr 2026 auf dem Niveau von 2025 liege und die Zusammenarbeit mit Volkswagen als „sehr attraktives Geschäft“ eingestuft werde. Das Unternehmen zeigte sich „sehr aufgeschlossen“ gegenüber weiteren ähnlichen Technologiepartnerschaften.