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Delta Electronics Thailand warnt vor Halbleiter-Engpässen und Störungen durch EU-Sanktionen: KI-Nachfrage übersteigt Komponentenangebot

Ergebnisbericht zum 2. Quartal 2026, 26. Juli 2026

Delta Electronics Thailand verzeichnete im zweiten Quartal 2026 einen Rekordumsatz, doch das Management nutzte die Telefonkonferenz für eine deutliche Warnung: Der KI-Boom, der das Wachstum antreibt, belastet die eigene Lieferkette so stark, dass der Nettogewinn gegenüber dem Vorquartal um 35 % einbrach, während die Margen bis zum Jahresende unter Druck bleiben. Der Umsatz erreichte 2.011 Millionen $, ein Anstieg von 50,7 % gegenüber dem Vorjahr und 3,4 % gegenüber dem Vorquartal. Der Nettogewinn belief sich auf rekordverdächtige 186 Millionen $, was einem Zuwachs von 33,4 % gegenüber dem Vorjahr entspricht, jedoch einen Rückgang von 35 % gegenüber dem vorangegangenen Quartal darstellt. CEO Victor Cheng äußerte sich unmissverständlich zur Ursache: „Die KI-Dynamik bleibt ungebrochen, doch der Mangel an Rohmaterial stellt kurzfristig ein Risiko dar, das die Auslieferungen stört und die Margen im zweiten Quartal unter Druck setzt.“

Halbleitermangel und überraschende EU-Sanktionen

Die folgenreichste Enthüllung während der Telefonkonferenz betraf die spezifische Belastung der Lieferkette. Cheng identifizierte Halbleiter als den kritischsten Engpass. Die Kosten für DRAM und die IC-Fertigung steigen sprunghaft an, da KI- und Rechenzentrumskunden Vorrang bei der Zuteilung genießen, was andere Segmente – darunter Leiterplatten (PCB), Power-MOSFETs, MLCCs, Präzisionsbauteile und sogar chemische Vorprodukte – austrocknet. Lieferanten fordern bereits Preiserhöhungen für bestimmte MOSFETs von Delta.

Noch gravierender war Chengs Bericht über einen geopolitischen Schock, den Investoren so vermutlich nicht eingepreist hatten: eine europäische Sanktion gegen den chinesischen Halbleiterhersteller Yanxi, die im April nahezu sofort in Kraft trat. „In diesem Jahr, im April, sahen wir uns plötzlich mit Sanktionen europäischer Länder gegen das chinesische Halbleiterunternehmen Yanxi konfrontiert. Die Anordnung trat fast unmittelbar in Kraft, was uns völlig überraschte. Wir waren gezwungen, kurzfristig eine zweite Bezugsquelle zu finden, um die Lieferungen aufrechtzuerhalten“, so Cheng. Die Störung beeinträchtigte direkt die Lieferungen an KI- und Rechenzentrumskunden, da Delta bestimmte Dioden und Halbleiter nicht mehr vom sanktionierten Lieferanten beziehen konnte. Cheng merkte an, dass sich die Situation im dritten Quartal zwar entspannt habe, aber „immer noch nachwirkt“. Dies unterstreicht, dass westliche Exportkontrollen gegen chinesische Chiphersteller – nach einer ähnlichen Störung im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit den Halbleiterbeschränkungen zwischen den USA, den Niederlanden und China – zu einem wiederkehrenden operativen Risiko und nicht zu einem Einzelfall werden.

Bestandsrückstellungen und die Mechanik der Margenbelastung

Delta verbuchte im Quartal eine Bestandsrückstellung in Höhe von 800 Millionen THB. Cheng führte dies auf einen langsamer als erwartet verlaufenden Abbau der in Hubs gelagerten Bestände zurück, vor allem in Nordamerika. Dort sind die Kunden selbst durch Engpässe bei DRAM und anderen Komponenten eingeschränkt, was zu Verzögerungen bei der Systemintegration und -implementierung führt. Für Investoren ist dies ein wichtiger Datenpunkt: Die Rückstellung resultiert aus Engpässen auf Kundenseite und nicht aus einer Nachfrageschwäche bei Delta. Sie verdeutlicht jedoch, wie die Überlastung der KI-Lieferkette finanzielle Unruhe durch die gesamte Wertschöpfungskette trägt, nicht nur auf Chipebene.

Preisverhandlungen auf das 4. Quartal verschoben, Margenerholung ungewiss

Das Management stellte klar, dass eine Normalisierung der Bruttomarge nicht kurzfristig zu erwarten ist. Der jährliche Preisverhandlungszyklus von Delta mit Lieferanten und Kunden fällt in das vierte Quartal, und Cheng kündigte an, dieses Zeitfenster zu nutzen, um gestiegene Inputkosten weiterzureichen. „Wir sind davon überzeugt, dass wir sehr berechtigte Gründe haben, eine Preiserhöhung zu fordern. Es ist lediglich so, dass verschiedene Kunden unterschiedlich lange brauchen, um dieses Ziel zu erreichen“, sagte er. Investoren sollten dies als Signal werten, dass der Margendruck mindestens bis zum dritten Quartal anhält und eine Entlastung aufgrund der Zeitverzögerung zwischen Kostenverhandlung und Umsetzung erst 2027 zu erwarten ist.

Zollabwicklung sorgt für Umsatzdelle

Delta gab bekannt, dass das Unternehmen US-Importzölle in Höhe von etwas mehr als 100 Millionen $ im Namen seiner Kunden entrichtet hat, die an Delta erstattet und dann an die Kunden weitergereicht werden. Cheng wies darauf hin, dass dies in den kommenden ein oder zwei Quartalen rein buchhalterisch als Umsatzminderung erscheinen werde. Dies ist eine wichtige Nuance für Analysten, die kurzfristige Umsatztrends modellieren, um den Erstattungsfluss nicht fälschlicherweise als Nachfragerückgang zu interpretieren. Unabhängig davon spielte Cheng den aktuellen US-Zollsatz von 12,5 % herunter, da dieser wettbewerbsneutral sei, da er die gesamte Region treffe und größtenteils von den Kunden und nicht von Delta getragen werde.

Segmentleistung: KI-Kühlung und Energieinfrastruktur übertreffen Kerngeschäft Rechenzentren

Abseits der Lieferengpässe bleibt die zugrunde liegende Nachfrage stark. Der Umsatz im Bereich Industrial Automation stieg im Jahresvergleich um 29 %, unterstützt durch PCB- und KI-Server-Montageaktivitäten in Thailand und Vietnam. Der Umsatz mit Energieinfrastruktur wuchs im ersten Halbjahr um 121 % gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz mit Rechenzentren stieg gegenüber dem Vorquartal um 79 %, lag jedoch im Jahresvergleich leicht im Minus, da sich ein großes Kundenprojekt in die zweite Jahreshälfte verschob. Australien stach als Wachstumsausreißer hervor: Der Gesamtumsatz stieg um 287 % gegenüber dem Vorjahr, angetrieben durch das Geschäft mit ICT-Kühlung (plus 301 % durch KI-Kühlprodukte) sowie das Energieinfrastrukturgeschäft (plus 266 % durch Mikrogrid- und Energieinfrastrukturbedarf im Zuge der Rechenzentrumserweiterungen).

Ausblick: Zweistelliges Wachstum bestätigt, keine konkreten Zahlen

Auf die direkte Frage nach den Umsatzzielen für das Gesamtjahr lehnte Cheng eine konkrete Zahl ab, bekräftigte jedoch das Ziel eines zweistelligen Umsatzwachstums für 2026. Er verwies auf eine „gesunde Geschäftspipeline“ und eine hohe Auftragstransparenz bei KI- und Rechenzentrumskunden. Die Auftragssichtbarkeit bezifferte er auf etwa sechs Monate durch rollierende Kundenprognosen, wobei Aufträge innerhalb eines Drei-Monats-Fensters in der Regel fixiert und keinen wesentlichen Änderungen mehr unterworfen seien.

Struktureller Kontext: Thailands Position in der KI-Hardware-Lieferkette

Das Management stützte sich auf die externe Einschätzung von Thailands strategischer Position und verwies auf das IWF-Update vom Juli 2026, das Thailand neben Taiwan, Südkorea und Malaysia zu den vier weltweit führenden Nettoexporteuren von KI-Hardware zählt. Zudem hob der IWF die Wachstumsprognose für Thailand für 2026 aufgrund von KI-Exporten und fiskalischen Anreizen auf 1,9 % an. Das im Juni 2026 gegründete National Semiconductor Board, das bis 2050 eine heimische Chipfertigung und Investitionen von 2,5 Billionen THB anstrebt, wurde als langfristiger Rückenwind genannt – wenngleich es sich hierbei um eine Initiative über mehrere Jahrzehnte handelt, die für die aktuellen Margenprobleme von Delta nur begrenzt relevant ist.

F&E-Ausgaben und Beitrag zur Gruppe

Die F&E-Ausgaben stiegen um 88 % gegenüber dem Vorjahr, was laut Cheng im Einklang mit dem langfristigen Ziel steht, die F&E-Quote bei 3 % bis 3,5 % des Betriebsumsatzes zu halten (aktuell ca. 3 % bis 3,1 %). Im Mai 2026 eröffnete Delta zudem ein neues F&E-Zentrum in Soest, Deutschland, das sich auf Power-Lösungen für KI, Hochleistungsrechenzentren und Elektromobilität konzentriert – Teil einer umfassenderen Lokalisierungsstrategie in der EMEA-Region. Zur Gruppenstruktur merkte Cheng an, dass Delta Thailand derzeit etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes der Delta-Gruppe ausmache. Er erwarte, dass dieser Beitrag in den nächsten Jahren moderat in Richtung der 30- bis 40-Prozent-Marke steigen werde, was auf weitere, wenn auch nicht dramatische Anteilsgewinne innerhalb der Delta Electronics Organisation hindeutet.

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