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iQIYI rutscht in operativen Verlust bei sinkenden Umsätzen – Übersee-Wachstum und KI-Plattform signalisieren langfristige Neuausrichtung

Ergebnisbericht Q1 2026 – 18. Mai 2026

iQIYI hat ein finanziell schwieriges erstes Quartal hinter sich. Das Unternehmen meldete einen operativen Verlust (Non-GAAP) von 149 Millionen RMB bei einem Gesamtumsatz von 6,2 Milliarden RMB, was einem sequenziellen Rückgang von 8 % entspricht. Die operative Marge von rund minus 2 % markiert einen deutlichen Rückschritt bei der Profitabilität. Das Management nutzte die Telefonkonferenz jedoch, um nachdrücklich zu argumentieren, dass sich das Unternehmen in einer frühen Phase eines strukturellen Wandels befinde – angetrieben durch KI-gestützte Content-Produktion, ein schnell wachsendes Auslandsgeschäft und eine neue dezentrale Creator-Plattform namens Nado Pro, die erst am 20. April für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Ob dieser Wandel schnell genug eintritt, um die kurzfristige finanzielle Verschlechterung auszugleichen, ist die zentrale Frage, vor der Investoren nun stehen.

Die nackten Zahlen lassen sich kaum schönreden

Der sequenzielle Umsatzrückgang war breit gefächert. Die Werbeeinnahmen im Online-Bereich sanken sequenziell um 8 % auf 1,2 Milliarden RMB; dies wurde zwar auf saisonale Effekte zurückgeführt, bleibt aber ein schwaches Signal. Die Erlöse aus dem Content-Vertrieb brachen sequenziell um 54 % auf 358,7 Millionen RMB ein, was auf eine geringere Anzahl an Dramen zurückzuführen ist, die an Dritte lizenziert wurden – ein Posten, der zwar schwankungsanfällig ist, dessen Ausmaß jedoch kaum zu ignorieren ist. Die sonstigen Erträge gingen sequenziell um 22 % auf 426,7 Millionen RMB zurück. Ein Lichtblick waren die Einnahmen aus Mitgliedschaftsdiensten, die sequenziell um 2 % auf 4,2 Milliarden RMB stiegen, unterstützt durch ein starkes Portfolio an Dramen wie Pursuit of Jade, The Punishment 2 und How Dare You!.

Der Netto-Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit belief sich auf lediglich 186 Millionen RMB. Die liquiden Mittel, Äquivalente und kurzfristigen Anlagen beliefen sich zum Quartalsende auf 4 Milliarden RMB; der sequenzielle Rückgang ist primär auf den Rückkauf der 6,5%-Wandelanleihen mit Fälligkeit 2028 zurückzuführen. Zum Quartalsende wies iQIYI zudem ein Darlehen von 636,6 Millionen USD an PAG aus, das unter den Vorauszahlungen und sonstigen Vermögenswerten verbucht ist – ein Bilanzposten, den Investoren angesichts der Rückkehr in die Verlustzone genau beobachten sollten.

Nado Pro: Die wichtigste Neuerung des Quartals

Die substanziellste Information für Investoren war das detaillierte Update zu Nado Pro, der hauseigenen KI-Content-Produktionsplattform von iQIYI, die erst seit dem 20. April öffentlich verfügbar ist. CEO Yu Gong beschrieb das Tool als weit mehr als nur ein generisches Interface für Large Language Models: „Wir haben jahrelanges Branchen-Know-how aus Schlüsselbereichen wie Drehbuchschreiben, Filmen und Postproduktion in KI-Agenten transformiert und diese mit unserem Kern-IP und digitalen Assets kombiniert, um zugängliche Plattformfunktionen bereitzustellen.“ Tools, die zuvor ausschließlich intern bei iQIYI genutzt wurden – darunter Drehbuchbewertung und bildbasierte Referenzsuche –, wurden in das öffentlich zugängliche Produkt integriert.

Die Plattform zählt bereits über 10.000 aktive Creator, darunter sowohl traditionelle Produktionsfirmen als auch unabhängige Content-Ersteller, die Langform-Dramen, Micro-Dramen, Micro-Animationen, Kurzvideos und kommerzielle Inhalte produzieren. Etwa 100 dieser Projekte sind iQIYI-Originaltitel. Eine Community für Feedback wurde gestartet, Funktionen für die kommerzielle Vermittlung sollen folgen, und eine internationale Version von Nado Pro befindet sich in der Entwicklung. Das Management deutete an, dass Nado Pro mit der Zeit als eigenständiges Monetarisierungsprodukt fungieren wird, nannte jedoch keine Umsatzziele oder Zeitpläne – eine Lücke, die der Markt künftig einfordern wird.

Im ersten Quartal veröffentlichte iQIYI mehr als 3.000 KI-generierte Micro-Dramen und baute eine Bibliothek mit über 14.000 Micro-Animationen und KI-nativen Titeln auf. Der CEO erläuterte die strategische Logik: KI senke die Content-Kosten, verkürze Produktionszyklen, erhöhe die Anzahl der Titel auf der Plattform und vergrößere somit die adressierbare Nutzerbasis. „Wir gehen davon aus, dass die Content-Kosten sinken und die Anzahl der Videoinhalte steigen wird“, sagte er und zog einen Vergleich zu der Rolle, die Technologie beim Aufstieg von Kurzvideos im letzten Jahrzehnt spielte.

Das Auslandsgeschäft ist ein echter Lichtblick – wenn auch auf niedrigem Niveau

Die Einnahmen aus Mitgliedschaften im Ausland wuchsen im ersten Quartal um über 40 % im Jahresvergleich, wobei Indonesien um über 80 % und Brasilien sowie Mexiko um über 500 % zulegten – allerdings basieren diese lateinamerikanischen Zahlen auf einer sehr kleinen Ausgangsbasis. Die durchschnittliche Anzahl der täglichen Abonnenten erreichte einen neuen Höchststand. Das Drama Pursuit of Jade führte in 15 Märkten gleichzeitig die Google Trends an und stellte einen Rekord als meistgesuchtes chinesisches Drama in dieser Kategorie auf, was ein aussagekräftiger Indikator für echte kulturelle Resonanz ist und nicht nur für Werbeausgaben.

Die internationale Strategie des Unternehmens basiert auf einer klar definierten Nische: Premium-Inhalte aus Asien für Frauen unter 40 Jahren, ergänzt durch zunehmende lokale Produktionen. Running Man Thailand, die erste thailändische Original-Varieté-Show von iQIYI, setzte laut Unternehmensangaben mehrere neue Rekorde für Varieté-Inhalte auf der internationalen Plattform und fand Anerkennung bei Werbetreibenden. Das erste indonesische Original-Drama soll im zweiten Quartal Premiere feiern. Senior VP Xianghua Yang merkte an, dass der ARPU (durchschnittlicher Umsatz pro Nutzer) im Ausland bereits höher sei als im Inland, was bei einer weiteren Skalierung der Abonnentenbasis ein bedeutender struktureller Vorteil wäre.

Als wichtige Investitionsmärkte wurden explizit Thailand, Indonesien, Malaysia, Vietnam und die Philippinen in Südostasien sowie Brasilien und Nordamerika genannt. Das Unternehmen überträgt derzeit sein Modell der Partnerschaften mit Mobilfunkanbietern und E-Commerce-Plattformen aus den reifen südostasiatischen Märkten auf neue Regionen.

Kampf gegen Piraterie: Rückenwind durch regulatorische Maßnahmen

Chief Content Officer Xiaohui Wang gab ein bemerkenswert konkretes Update zur regulatorischen Anti-Piraterie-Kampagne, die Ende April bzw. Anfang Mai begann. Die Nationale Rundfunk- und Fernsehverwaltung (NRTA) startete ein gezieltes Vorgehen gegen illegale Websites, Browser, Suchmaschinen und Cloud-Speicherdienste. Neue Regeln schreiben vor, dass Plattformen rechtsverletzende Inhalte innerhalb von 24 Stunden nach Meldung entfernen müssen; bei neu veröffentlichten Hit-Dramen muss die Entfernung innerhalb von 4 Stunden erfolgen. Ein Mechanismus der doppelten Verantwortung nimmt sowohl Plattformen als auch lokale Provinzbehörden in die Pflicht. Wiederholungstäter werden öffentlich genannt und bei der Polizei angezeigt. Die Kampagne „Sortnet 2026“ der Nationalen Urheberrechtsverwaltung hat Online-Urheberrechtsverletzungen zur obersten Priorität für das laufende Jahr erklärt.

Für iQIYI ist dies ein bedeutender Rückenwind. Piraterie hat die Zahlungsbereitschaft und die Konversionsraten für Premium-Langform-Inhalte in China seit Jahren strukturell gedrückt. „Wir glauben, dass das politische Problem in Zukunft substanziell gemildert wird“, sagte Wang. Sollte die Durchsetzung konsequent bleiben, könnten die positiven Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit der Mitgliedschaftsumsätze erheblich sein – allerdings hat das Unternehmen diese Dynamik bereits in der Vergangenheit angeführt, ohne den Nutzen voll ausschöpfen zu können.

Content-Pipeline stabil, doch die Monetarisierung pro Titel bleibt entscheidend

Das Drama-Portfolio im ersten Quartal brachte echte Hits hervor. The Punishment 2 wurde zum zweiten Franchise, bei dem beide Staffeln einen iQIYI-Popularitätswert von über 10.000 erreichten – ein interner Maßstab, den das Unternehmen als Indikator für herausragende Erfolge nutzt. Born to Be Alive erhielt die höchste Kritikerbewertung aller inländischen Drama-Veröffentlichungen im ersten Quartal. Bereits im zweiten Quartal hat Born with Luck die 10.000er-Marke im Popularitätsindex überschritten und ist damit der dritte Titel in diesem Jahr, dem dies gelang. Die Pipeline für den Rest des Jahres 2026 umfasst über 100 geplante Kurz-Dramen sowie eine stetige Reihe von Varieté-Franchise-Verlängerungen, darunter The Rap of China 2026 und mehrere wiederkehrende Reality-Formate.

Im Werbegeschäft wuchsen die Markeneinnahmen aus zielgerichteten Dramen im Jahresvergleich zweistellig, wobei Lebensmittel und Getränke, Internetdienste und E-Commerce jeweils zweistellige Zuwächse verzeichneten. Die Performance-Werbung zeigte eine verbesserte Diversifizierung bei kleinen und mittelständischen Werbetreibenden. Bemerkenswert ist, dass die Monetarisierungseffizienz für immersive Anzeigen in Micro-Dramen – gemessen am Umsatz pro Inventareinheit – im Jahresvergleich um über 60 % stieg, was eine der stärksten zugrunde liegenden Kennzahlen der Telefonkonferenz darstellt.

Offline-Erlebnisse und IP-Monetarisierung: Frühes Stadium, begrenzte finanzielle Auswirkungen

Der erste Offline-Erlebnisort auf IP-Basis in Yangzhou ist eröffnet und erfüllt laut Unternehmen die Erwartungen; das immersive Design stößt bei den Nutzern auf positive Resonanz. Neue Standorte in Kaifeng und Peking befinden sich in der Entwicklung. Sammlerstücke zu Pursuit of Jade stellten einen neuen internen Verkaufsrekord auf. Diese Initiativen sind als Strategien zur Verlängerung des IP-Lebenszyklus strukturell interessant, befinden sich jedoch noch in einem zu frühen Stadium, um die Finanzkennzahlen 2026 maßgeblich zu beeinflussen.

Kapitalallokation und Börsengang in Hongkong

Im März kündigte iQIYI einen geplanten Börsengang am Main Board der Hongkonger Börse an – eine Zweitnotierung, die den Zugang zu Liquidität verbessern und die Abhängigkeit von US-Kapitalmärkten verringern würde. Gleichzeitig startete das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm im Wert von 100 Millionen USD mit einer Laufzeit bis September 2027, von dem bisher 8 Millionen USD für den Rückkauf von etwa 6,45 Millionen ADS verwendet wurden. Das Tempo der Rückkäufe ist im Verhältnis zur Genehmigung moderat. Die Kombination aus dem Börsengang in Hongkong, dem PAG-Darlehen und der Rückkehr in die operativen Verluste schafft eine Kapitalstruktur, die in den nächsten zwei bis drei Quartalen eine genaue Beobachtung erfordert.

iQIYI im Fokus

Geschäftsmodell und Erlösstruktur

iQIYI betreibt ein komplexes Unterhaltungs-Ökosystem, das im Kern auf hochwertigem Long-Form-Video-Streaming basiert. Ursprünglich als das chinesische Pendant zu westlichen Video-on-Demand-Größen positioniert, hat sich das Unternehmen strukturell von einem reinen Abonnement-Modell entfernt und ein zweigleisiges, hochgradig diversifiziertes Monetarisierungskonzept etabliert. Den primären Umsatztreiber bilden gestaffelte Mitgliedschaftsdienste, die für rund 60 Prozent der Gesamterlöse verantwortlich sind. Dieses Abo-Modell, unterteilt in die Stufen Gold, Platinum und Diamond, bietet Endnutzern werbefreie Inhalte, einen zeitlich priorisierten Zugriff auf Neuerscheinungen sowie hochauflösende Qualität. Die zweite Säule ist ein werbefinanziertes Gratis-Angebot, das etwa 20 Prozent des Gesamtumsatzes durch Markenwerbung und performancebasiertes Marketing generiert. Die verbleibenden 20 Prozent stammen aus einer Mischung aus Content-Distribution – bei der iQIYI Lizenzen für eigenes geistiges Eigentum an nationale Fernsehsender und regionale Stationen vergibt – sowie einem aufstrebenden Segment, das IP-Spin-offs, interaktives Gaming und erlebnisorientierte Offline-Projekte umfasst.

Die traditionelle Beschaffungslogik bei iQIYI war stark auf zentralisierte Einkäufe ausgerichtet, bei denen das Unternehmen entweder Drittlizenzen zu hohen Preisen erwarb oder umfangreiche Eigenproduktionen finanzierte. Angesichts von Kapitalbeschränkungen und einer branchenweiten Hinwendung zu mehr Effizienz durchläuft das Geschäftsmodell jedoch eine tiefgreifende strukturelle Metamorphose. Das Unternehmen wandelt sich aktiv vom monolithischen Content-Einkäufer zur dezentralen Revenue-Sharing-Plattform. Durch den Einsatz proprietärer Technologien zur Senkung der Hürden für die Erstellung hochwertiger Inhalte will iQIYI das finanzielle Risiko sowie die Monetarisierungschancen mit einem breiteren Ökosystem aus unabhängigen Kreativstudios und einzelnen Content-Creatorn teilen und so die Kostenstruktur von fixen auf hochvariable Kosten umstellen.

Wettbewerbsumfeld und Marktanteilsdynamik

Der chinesische Markt für Premium-Video-Streaming ist ein fest etabliertes Oligopol, das von drei Hauptakteuren dominiert wird: Tencent Video, iQIYI und dem von Alibaba unterstützten Youku. Anfang 2026 behauptet Tencent Video mit einem Rekordwert von 117 Millionen zahlenden Mitgliedern die Marktführerschaft und liegt damit fast 19 Millionen Abonnenten vor iQIYI. Trotz dieses numerischen Abstands bleibt iQIYI ein bedeutendes Kraftzentrum, das schätzungsweise 28 Prozent der aktiven Nutzungszeit im Bereich Long-Form-Video auf sich vereint. Gemeinsam bestimmen iQIYI und Tencent Video maßgeblich die Preisgestaltung, Produktionsstandards und die Vergütung von Talenten innerhalb der chinesischen Unterhaltungsbranche.

Die Wettbewerbsarchitektur offenbart jedoch eine kritische strukturelle Divergenz zwischen iQIYI und seinen Hauptkonkurrenten. Tencent Video und Youku fungieren als strategische „Loss-Leader“ oder integrierte Engagement-Tools innerhalb der weitverzweigten Tencent- und Alibaba-Ökosysteme. Tencent beispielsweise bündelt seinen Videodienst mit WeChat und QQ Music, was ein aggressives Cross-Selling von Abonnements ermöglicht und die Kundenakquisekosten minimiert. Im krassen Gegensatz dazu agiert iQIYI als eigenständig börsennotiertes Unternehmen. Obwohl es von Baidu gegründet wurde und weiterhin stark von diesem unterstützt wird, profitiert iQIYI nicht vom gleichen Grad an reibungsloser Nutzergewinnung oder einer tiefen Integration in Zahlungssysteme wie Tencent Video. Dies zwingt iQIYI dazu, rein über die Qualität seines Content-Angebots zu konkurrieren, anstatt sich auf einen unvermeidbaren Super-App-Vertriebskanal verlassen zu können. Dies führt fundamental zu einer höheren Abwanderungsrate (Churn) und einer stärkeren Abhängigkeit von einer kontinuierlichen, kostspieligen Erneuerung des Content-Portfolios.

Wettbewerbsvorteile bei Eigenproduktionen

Der wirtschaftliche Burggraben von iQIYI basiert auf einem industrialisierten Ansatz zur Erstellung von Originalinhalten. Weg von den ruinösen Bietergefechten um lizenzierte Drittinhalte, die die Branche Ende der 2010er Jahre prägten, hat iQIYI seine Produktionskapazitäten erfolgreich internalisiert. Heute machen Eigenproduktionen über 60 Prozent der Neuerscheinungen der Plattform aus. Diese vertikale Integration senkt nicht nur strukturell die langfristigen Lizenzkosten, sondern verschafft dem Unternehmen auch das vollständige Eigentum an abgeleiteten Rechten am geistigen Eigentum, was eine sekundäre Monetarisierung durch Merchandising, Gaming und Offline-Syndikation ermöglicht.

Die Effizienz dieses industrialisierten Produktionsmodells zeigt sich eindrucksvoll in iQIYIs konsequenter Erfolgsbilanz bei der Entwicklung von Mega-Hits. Franchises und Einzeldramen wie „The Knockout“, „A Lifelong Journey“ und „To the Wonder“ haben die üblichen Zuschauerzahlen übertroffen und sind zu landesweiten kulturellen Phänomenen geworden. Allein „The Knockout“ brach historische Engagement-Rekorde auf der Plattform und generierte massive Einnahmen aus der Zweitverwertung durch Lizenzverträge mit staatlichen Fernsehsendern. Durch die Kategorisierung und Standardisierung seiner Content-Pipelines in erkennbare Marken, wie etwa das „Light On Theater“ für Suspense-Dramen, hat iQIYI eine gezielte Zuschauerloyalität kultiviert, die die inhärente Unvorhersehbarkeit des hit-getriebenen Unterhaltungsgeschäfts teilweise abfedert.

Disruptive Bedrohungen und der Short-Video-Gegenwind

Während iQIYI seine Position im Bereich Long-Form-Streaming gefestigt hat, geht die schwerwiegendste existenzielle Bedrohung von der tektonischen Verschiebung der Aufmerksamkeit chinesischer Konsumenten hin zu algorithmischen Short-Video- und Mid-Form-Plattformen aus – allen voran ByteDances Douyin, Kuaishou und Bilibili. Diese disruptiven Marktteilnehmer haben die Ökonomie des digitalen Engagements grundlegend neu geschrieben. Indem sie massive Creator-Ökonomien mit hochgradig süchtig machenden Empfehlungsalgorithmen ausstatten, erobern Douyin und Kuaishou nicht nur den Löwenanteil der zusätzlichen aktiven Nutzungszeit, sondern ziehen auch aggressiv Werbebudgets von klassischen Long-Form-Plattformen ab.

Verschärft wird diese strukturelle Bedrohung durch die explosionsartige Verbreitung von KI-generierten Mikrodramen. Kostengünstige, synthetische Produktionen, die oft digitale menschliche Akteure sowie hochdramatische, schnelllebige Narrative nutzen, haben das digitale Ökosystem geflutet. Dieses Überangebot an extrem billigen Inhalten überfordert das Publikum und verwässert den wahrgenommenen Wert von Premium-Long-Form-Abonnements. Da Short-Video-Plattformen im Vergleich zu den massiven Studiobudgets von iQIYI praktisch keine Content-Akquisekosten haben, profitieren sie von überlegenen Margen und können Long-Form-Plattformen bei der Nutzerakquise dauerhaft ausstechen. Die schnelle Reifung dieser Plattformen zu umfassenden Unterhaltungs- und E-Commerce-Drehkreuzen stellt eine dauerhafte strukturelle Obergrenze für iQIYIs inländisches Abonnentenwachstum und dessen Preismacht dar.

Technologische Innovationen und Erlösdiversifizierung

Um der Stagnation des inländischen Long-Form-Marktes entgegenzuwirken, setzt iQIYI auf eine aggressive Neuausrichtung in Richtung generativer Künstlicher Intelligenz und internationaler Expansion. Im Zentrum dieser technologischen Überholung steht die Einführung von „Nado Pro“, einer proprietären, KI-gesteuerten Plattform zur Content-Erstellung, die kürzlich über 10.000 aktive Creator eingebunden hat. iQIYI nutzt diese Technologie, um den traditionellen Produktionszyklus drastisch zu verkürzen; das Management strebt eine Senkung der Postproduktionskosten um 35 Prozent an. Durch den Einsatz von KI-Agenten für Drehbuchschreiben, Rendering und lokalisierte Untertitelung will das Unternehmen seine Plattform mit hochauflösenden Originalinhalten fluten – bei einem Bruchteil der historischen Cash-Burn-Raten. Darüber hinaus ermöglicht diese Technologie iQIYI den Start einer eigenen defensiven Reihe von über 100 Short-Form-Dramen im Jahr 2026, um den von Douyin dominierten Mikrodrama-Markt direkt anzugreifen.

Parallel zur KI-Integration baut iQIYI seine geografische und physische Präsenz aus, um neue Erlösvektoren zu erschließen. Die „iQIYI International“-App verzeichnet eine robuste Dynamik und meldete für Ende 2025 sowie Anfang 2026 ein Wachstum der Mitgliedschaftseinnahmen von über 30 Prozent im Jahresvergleich, was primär durch hyper-lokalisierte Content-Strategien in Südostasien und Lateinamerika getrieben wird. Im Inland versucht das Unternehmen, durch den Bereich erlebnisorientierter Unterhaltung physische Einzelhandelswerte aus seinem geistigen Eigentum zu extrahieren. Anfang 2026 startete das Unternehmen mit „iQIYI LAND“ seinen ersten technologiegestützten, immersiven Offline-Themenpark in Yangzhou, mit dem Plan, dieses margenstarke Lizenzmodell als neuen Motor für langfristige Wertschöpfung in weitere Städte zu skalieren.

Management-Bilanz und strategische Umsetzung

Unter der kontinuierlichen Führung von Gründer und CEO Dr. Yu Gong hat das Managementteam von iQIYI eine außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit im Navigieren durch eine notorisch brutale Branche bewiesen. Im letzten Jahrzehnt steuerte Gong das Unternehmen durch einen massiven, kapitalintensiven Preiskampf, eine öffentlichkeitswirksame Short-Seller-Attacke im Jahr 2020 sowie die weitreichenden regulatorischen Eingriffe gegen chinesische Technologieplattformen in den Jahren 2021 und 2022. In der Erkenntnis, dass eine schuldenfinanzierte Expansion nicht nachhaltig ist, vollzog das Management eine disziplinierte strategische Wende weg von reinem Nutzerwachstum hin zur Profitabilität. Dieser klinische Fokus auf operative Effizienz und Kerninhalte führte zu vier aufeinanderfolgenden Jahren mit operativen Gewinnen (Non-GAAP) und bestätigte den Wandel des Unternehmens zu einem reifen Medienkonzern.

Die Fähigkeit des Teams, diese finanzielle Disziplin aufrechtzuerhalten, steht jedoch aktuell unter massivem Druck. Eingezwängt durch einen gesättigten Heimatmarkt und den unerbittlichen Angriff von Short-Video-Konkurrenten, verzeichnete iQIYI im Jahr 2025 einen Umsatzrückgang von 7 Prozent auf 27,29 Milliarden RMB. Die Verschlechterung beschleunigte sich im ersten Quartal 2026: Der Gesamtumsatz sank im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 6,23 Milliarden RMB, was das Unternehmen zurück in einen operativen Verlust von 228,4 Millionen RMB drängte. Während der aktuelle strategische Wandel des Managements hin zu einem KI-gesteuerten, dezentralen Creator-Ökosystem visionär ist, sind die Ausführungsrisiken erheblich. Die zentrale analytische Frage bleibt, ob dieser aggressive strukturelle Umbau ausreicht, um die Erosion der Umsätze zu stoppen, bevor die Kapitalpuffer des Unternehmens erschöpft sind.

Das Fazit

iQIYI befindet sich an einem prekären Wendepunkt und versucht den schwierigen Spagat vom klassischen Long-Form-Content-Einkäufer hin zu einem schlanken, KI-gestützten Unterhaltungs-Ökosystem. Die „Bullish“-These stützt sich auf die nachgewiesene Fähigkeit des Unternehmens, kulturell dominante Original-IP zu produzieren, sowie auf die disziplinierte Kostenoptimierung unter erfahrener Führung. Wenn die Nado-Pro-Plattform die Content-Erstellung erfolgreich demokratisiert, die Investitionsausgaben senkt und gleichzeitig die Plattform mit hochgradig ansprechenden Short- und Mid-Form-Inhalten flutet, könnte iQIYI seinen inländischen Marktanteil erfolgreich verteidigen. Gepaart mit dem zweistelligen Wachstum in der internationalen Sparte und der sekundären Monetarisierung durch Offline-Erlebnisparks verfügt das Unternehmen über die architektonische Basis, um ein nachhaltiges, margenstarkes Umsatzwachstum wiederherzustellen.

Demgegenüber stehen jedoch gewaltige und potenziell unüberwindbare strukturelle Hürden. iQIYI führt einen Mehrfrontenkrieg gegen kapitalstarke Super-Apps wie Tencent Video und Douyin, ohne über deren tief eingebettete Vertriebs- und Zahlungswege zu verfügen. Der Umsatzrückgang von 13 Prozent im Jahresvergleich Anfang 2026 und die plötzliche Rückkehr zu operativen Verlusten unterstreichen die extreme Verwundbarkeit der Kernsegmente Abonnement und Werbung. Sofern die Integration generativer KI nicht schnell zu einer nachweisbaren Abonnentenbindung und zur Rückeroberung von Werbemarktanteilen führt, läuft iQIYI Gefahr, in einer sich rasant entwickelnden, algorithmusgetriebenen digitalen Landschaft zu einem zwar hochentwickelten, aber strukturell benachteiligten Medien-Altbestand zu werden.

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