CME Group zieht Antrag für 24/7-Ölprodukte vorerst zurück – Compute Futures warten auf CFTC-Prüfung, während Rekordvolumen im dritten Quartal Margeneinsparungen auf 100 Milliarden Dollar täglich treibt
Telefonkonferenz zum dritten Quartal, 21. Oktober 2026: Rekord-ADV von 29,4 Millionen Kontrakten, Ergebnis je Aktie von $3,02 und ein regulatorischer Streit über Perpetuals
Die CME Group hat Ergebnisse für das dritte Quartal vorgelegt, die in nahezu jeder Hinsicht stark ausfielen, doch die folgenschwereren Nachrichten für Investoren betrafen die Produktpipeline. Das Management gab bekannt, dass der Zulassungsantrag für den 24/7-Handel mit 10-Barrel-WTI-Ölkontrakten nach einer Verfügung (Stay) der CFTC und Gegenwind von kommerziellen Nutzern zurückgezogen wurde. Zudem liege der Zeitplan für die Einführung der Compute Futures nicht mehr in den Händen des Unternehmens, bis die CFTC eine umfassende Prüfung abgeschlossen hat. Chairman und CEO Terry Duffy äußerte sich zum ersten Punkt unverblümt: „Ich bin überrascht, dass unser 24/7-Ölkontrakt aufgehalten wurde.“ Kommerzielle Marktteilnehmer hätten „keine weiteren Desks mit Personal besetzen wollen“, weshalb die CME mit der Notierung des Kontrakts warten werde, „bis sich die Marktteilnehmer damit wohler fühlen“.
Compute Futures: Ein neuer Risikomarkt hängt von den Regulierungsbehörden ab
Die CME hat die Compute Futures gemäß CFTC-Regel 40.3 eingereicht, was eine vollständige Prüfung auslöst. Die Behörde hat ihre Konsultationsfrist (Comment Period) um 45 Tage bis etwa zum 9. November verlängert. Danach muss sie eine Entscheidung treffen, wobei Duffy erklärte, der Zeitplan sei „nach wie vor unbekannt“. Er fügte hinzu, „wir können nicht viel mehr tun, bis wir die Genehmigung von der Regierung erhalten“, und bezeichnete das Vorhaben als „langfristiges Spiel“.
Derek Sammann, Leiter des Energiegeschäfts der CME, gab den ersten detaillierten Einblick in die Entwicklung des Produkts. Die CME arbeitet daran seit fast zwei Jahren und wählte Silicon Data als Indexprovider aus, nachdem andere Indizes und Preisreporting-Agenturen geprüft worden waren. Sammann erklärte, der Anbieter erfasse „Datenbeobachtungen in massivem Umfang über Dutzende von Plattformen und Tausende von Datenpunkten“, verfüge über eine robuste Terminkurve (Forward Curve) und veröffentliche einen Index, der bereits IOSCO-konform sei. Ein frühes Interesse zeige sich bei Neocloud-Betreibern, Rechenzentrumsbetreibern und Banken. Sammann argumentierte, dass Banken, die Kredite in KI-Infrastruktur vergeben, ein „nicht absicherbares Risiko“ tragen, das dieses Produkt adressieren soll. Auch Fonds und Eigenkapitalhändler (Proprietary Traders) seien beteiligt. Er führte aus, dass Chiphersteller und andere neue kommerzielle Marktteilnehmer zu Zielen für Cross-Selling werden könnten, wie dies bei Batteriemetallen der Fall war. Sammann bezeichnete die Nachfrage als „signifikant“, räumte jedoch ein, dass das Produkt vor dem Handel noch die Genehmigung benötigt.
24/7-Handel: Gold, Silber und Krypto funktionieren, aber Primärprodukte müssen warten
Die CME hat den 24/7-Handel im Berichtsquartal auf ihre 1-Unzen-Gold- und 100-Unzen-Silberkontrakte ausgeweitet und damit auf den Anfang des Jahres eingeführten Krypto-Produkten im 24/7-Format aufgebaut. Das Wochenendvolumen liegt laut einer von Patrick Moley (Analyst bei Piper Sandler) gestellten Frage, der das Management nicht widersprach, bei etwa 20 % bis 30 % des durchschnittlichen täglichen Volumens dieser Kontrakte. Duffy erklärte, Marktteilnehmer würden bereits am Wochenende über VPNs an ausländischen Börsen Absicherungen vornehmen – was US-Marktteilnehmer eigentlich nicht tun dürfen –, und er sehe „keinerlei Hinweise auf eine Überwachung oder Durchsetzung dieser Aktivitäten“.
Duffy rechnet nach wie vor damit, dass der Markt bei allen Produkten auf den 24/7-Modus umstellen wird, setzte die Messlatte für die größten Kontrakte jedoch hoch an. „Allein der US-Aktienmarkt hat ein Volumen von 76 Billionen Dollar, das kann niemand an einem Freitag vorfinanzieren.“ Die Notierung eines Primärprodukts rund um die Uhr werde „immer schwieriger“, solange die US-Bankeninfraktur nicht ebenfalls im 24/7-Modus laufe. Dies spreche eher für Experimente mit kleineren Kontrakten als für einen zeitnahen Schritt bei den Kern-Benchmarks.
Perpetual-Rechtsstreit und die Frage der Prognosemärkte
Die CME befindet sich wegen unbefristeter Terminkontrakte (Perpetual Futures) in einem Rechtsstreit mit der CFTC. Der neue General Counsel John Marchese erklärte, ein Antrag auf Klageabweisung (Motion to Dismiss) sei eingereicht und beantwortet worden; die CME werde die inhaltliche Argumentation darlegen, und er gehe davon aus, dass die Sache „im Dezember vollständig vor dem Richter verhandelt wird“.
Duffy argumentierte, dass der Mechanismus der Finanzierungsrate (Funding Rate) bei Perpetuals diese zu einem Swap im Sinne des Dodd-Frank Acts mache, und verglich dies mit einem festen versus variablen Zinsaustausch. Auf die Frage, ob die CME Perpetuals auf Aktienindizes listen würde, falls sie den Prozess verlöre (wo sie über Exklusivität verfügt), lehnte er eine Festlegung ab: „Diese Brücke überqueren wir, wenn wir an ihr ankommen, und nicht vorher.“
Duffy äußerte sich ähnlich zurückhaltend zu Prognosemärkten (Prediction Markets), die an Einzeltaktien gekoppelt sind. Er wies die Vorstellung zurück, „dass mit jedem Markt ein Prognosemarkt verbunden sein sollte“, und erklärte, dass Single Stock Futures ohne einen solchen eingeführt werden. Seine Warnungen vor Systemrisiken bezögen sich, wie er klarstellte, auf die auf ausländischen Perpetual-Plattformen angebotenen Hebel von 25x bis 250x. Ob Hebel-Obergrenzen seine Sichtweise ändern würden, wollte er erst beurteilen, wenn ihm ein schriftlicher Vorschlag vorliegt.
Single Stock Futures zeigen frühe Zugkraft, allerdings mit Einschränkungen
Single Stock Futures haben seit ihrer Einführung etwas mehr als 350.000 Kontrakte umgesetzt, was einem Nominalwert von etwa 3,5 Milliarden Dollar entspricht. Der Kontrakt über 100 Aktien deckt 55 große US-Namen ab, der 10-Aktien-Kontrakt 22 davon. Die Distribution der CME erfolgt über 25 ihrer führenden Retail-Broker-Partner, und weitere Futures Commission Merchants (FCMs) sollen im vierten Quartal live gehen. Das Management räumte ein, dass es „Zeit brauche“, um die Prozesse mit FCMs und Technologieanbietern abzuwickeln. Die CME hatte das Produkt bereits im Jahr 2000 versucht, und Duffy merkte an, es sei damals „nicht sonderlich gut in Schwung gekommen“.
Julie Winkler warb bei institutionellen Investoren mit dem Argument der Kapitaleffizienz und verwies dabei auf das Cross-Margining mit Aktienindex-Futures. Dem Retail-Segment präsentierte sie das Produkt als Alternative zu Optionen mit „statischem Delta, null Options-Greeks“ und ohne Zeitwertverfall.
Im weiteren Sinne schreitet die Gewinnung von Retail-Kunden stetig voran. Die CME verzeichnete im Quartal weit über 100.000 neue Retail-Trader – ein Anstieg von 40 % im Vergleich zum Vorjahr –, und die E-nano-Produktfamilie verzeichnete am Dienstag mit mehr als 121.000 Kontrakten einen Tagesrekord.
Finanzergebnisse: Rekorde bei Volumen und Marktdaten
Das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen (ADV) im dritten Quartal stieg um 16 % auf 29,4 Millionen Kontrakte, ein Rekord für ein drittes Quartal, begleitet von zweistelligem Wachstum in allen sechs Anlageklassen. Der Umsatz wuchs um 13 % auf $1,7 Milliarden. Der Bereich Market Data erreichte mit $243 Millionen ein Rekordergebnis (plus 20 %) und verzeichnet damit das 34. Quartal in Folge mit jährlichem Wachstum.
Die bereinigten Aufwendungen lagen bei $532 Millionen bzw. bei $428 Millionen ohne Lizenzgebühren, die im Zuge des gestiegenen Aktienvolumens (plus 23 %) zulegten. Das bereinigte operative Ergebnis erhöhte sich um 15 % auf $1,2 Milliarden, bei einer Marge von 69,4 %. Das bereinigte Ergebnis je Aktie (EPS) kletterte um 13 % auf $3,02. Die CME schüttete fast 1 Milliarde Dollar an die Aktionäre aus: $465 Millionen in Form von Dividenden und $524 Millionen durch Aktienrückkäufe. Das Volumen im vierten Quartal liegt aktuell 17 % über dem Rekordwert des Vorjahres, während das bisherige Jahresvolumen um 12 % zulegte.
Das internationale ADV erreichte einen Rekordwert von 9 Millionen Kontrakten (plus 22 %), wobei der asiatisch-pazifische Raum (APAC) um 28 % und Europa, der Mittlere Osten und Afrika (EMEA) um 20 % zulegten. Der Energiebereich wuchs um 40 %, Agrarprodukte um 28 % und Aktienindizes um 24 %.
Wachstum der Marktdaten ist breit abgestützt, Audits verlieren an Bedeutung als Treiber
CFO Lynne Fitzpatrick erklärte, dass sich das Wachstum im Bereich Market Data grob zu gleichen Teilen auf drei Säulen verteilt: Ein Drittel entfalle auf professionelle Abonnenten, ein Drittel auf private Kleinanleger (Retail) sowie simulierte Trading-Plattformen, und der Rest auf die Nachfrage nach Daten-Feeds, Term SOFR, Preisanpassungen sowie politische beziehungsweise regulatorische Änderungen. Audits und Nachzahlungen trugen $4,7 Millionen bei und lagen damit unter dem Niveau des zweiten Quartals. Mehr als 50 % des Geschäfts entfallen auf Märkte außerhalb der USA. Das Management lehnte es ab, einen Ausblick für das zukünftige Wachstum abzugeben.
Preisgestaltung, Cboe-Lizenzierung und Nettozinsergebnis
Die zum 1. Oktober wirksamen Preisanpassungen dürften die Clearing- und Transaktionsgebühren auf annualisierter Basis um 0,5 % bis 1 % erhöhen. Sie umfassen Kryptowährungen, Getreide, bestimmte Zins-Tiers und Micro-Aktienprodukte. Fitzpatrick sagte, die CME bewege sich weg von einer einzigen jährlichen Preiserhöhung hin zu Anpassungen, „die über das Jahr verteilt sind“.
Zur 25-jährigen S&P-Lizenzverlängerung durch Cboe erklärte Duffy, die CME profitiere als Joint-Venture-Partner von S&P von Erhöhungen (Escalators), die bereits 2027 statt erst 2032 beginnen. Die Bedingungen wurden nicht genannt, doch er bezeichnete den Deal als „äussert vorteilhaften Vorschlag“.
Unabhängig davon beliefen sich die Barmittel des Clearinghauses im Durchschnitt auf $147 Milliarden (nach rund $150 Milliarden im zweiten Quartal) bei einer ähnlichen Rendite von rund 33 Basispunkten, was die niedrigere Nettozinsposition erklärt. Das Unternehmenskosten-Cash generierte etwa $27 Millionen.
Kapitaleffizienz: 100 Milliarden Dollar täglich, nach 40 Milliarden zuvor
Die Margeneinsparungen für Kunden betrugen im Durchschnitt mehr als 100 Milliarden Dollar pro Tag – eine Zahl, bei der Duffy anmerkte, sie habe „vor gar nicht langer Zeit erst bei 40 Milliarden Dollar gelegen“.
Die Einsparungen im Aktienbereich beliefen sich im dritten Quartal auf knapp 47 Milliarden Dollar: Etwa 42 Milliarden Dollar entfielen auf Verrechnungen von Basis-Futures und -Optionen (Offsets) und etwas mehr als 5 Milliarden Dollar auf die CME-OCC-Cross-Margin-Vereinbarung. Tim McCourt erläuterte, dass etwa 60 % des diesjährigen Anstiegs auf neue Positionen und 40 % auf höhere Indextniveaus zurückzuführen sind. Diese Aufteilung ist wichtig, da der 40-%-Anteil bei fallenden Märkten wegfallen würde.
Im Zinsbereich verzeichnete das Swap-Portfolio-Margining am 30. September einen Tagesrekord von 14 Milliarden Dollar. Die Einsparungen im September lagen im Durchschnitt bei 13,2 Milliarden Dollar (ein Anstieg von 58 % im Jahresvergleich), verglichen mit rund 7,2 Milliarden Dollar pro Tag im Jahr 2024. Das CME-FICC-Cross-Margin-Programm zählt 24 registrierte Clearing-Mitglieder und verzeichnete im September im Schnitt 2,3 Milliarden Dollar pro Tag – bei einem Rekordwert von 2,7 Milliarden Dollar, verglichen mit den zu Jahresbeginn genannten 1 bis 1,5 Milliarden Dollar. Viele FCMs peilen ein vollständig operatives Programm im vierten Quartal an.
CME Securities Clearing liegt weiterhin im Zeitplan für den Start am 7. Dezember, rechtzeitig vor der SEC-Vorgabe für das Treasury-Clearing. Treasury Link, das den Spread-Handel zwischen Treasury-Futures und BrokerTec-Kassamärkten (Cash Treasuries) mit garantierter Ausführung und ohne Legging-Risiko ermöglicht, ging am Wochenende in der Testumgebung live.
Offene Positionen (Open Interest): Begrenztes Wachstum mit struktureller Erklärung
Das Open Interest erreichte zum Quartalsende 128 Millionen Kontrakte und überstieg während der Telefonkonferenz 133 Millionen. Ken Worthington von JPMorgan wies darauf hin, dass das jährliche Wachstum des Open Interest bei Aktien nahe Null (+0,2 %) und bei Zinsen niedrig (+1,2 %) lag, während der Energiebereich um 3,6 % zurückging. Duffys Antwort darauf: Wöchentliche Optionsverfallstermine komprimieren das Open Interest im Vergleich zu vierteljährlichen Verfällen. Es auf diesem Niveau zu halten, sei „ein gutes Problem“. Diese Erklärung ist plausibel, beantwortet jedoch nicht vollständig, warum das Volumenwachstum eher aus der Handelsgeschwindigkeit (Velocity) als aus größeren Positionen resultiert.
Cloud-Migration, Kapitalallokation und die Frage des Retail-Wettbewerbs
Die CME hat im Juni ihre Notfall-Rechenzentrumsanlage (Disaster Recovery Facility) in Dallas auf der Google Cloud für Kundentests eröffnet, wobei Latenz und Konsistenz „so gut wie oder besser als bei On-Premises-Systemen“ ausfielen. Die Migration der primären Region Chicago soll Ende 2027 beginnen. Aufgrund der positiven Testergebnisse und dieses Zeitplans muss die CME ihre Viehmärkte in der Zwischenzeit nicht mehr nach Dallas verlegen.
Zum Thema Kapital erklärte Fitzpatrick, dass die Erlöse aus dem Verkauf von OSTTRA vollständig über Aktienrückkäufe reinvestiert wurden. Die CME weist eine sehr geringe Verschuldung auf und gibt an, bei M&A-Transaktionen „wählerisch“ vorzugehen; man suche gezielt nach Übernahmen, die Kunden, Produkte oder Kapitaleffizienzen einbringen.
Auf die Frage, ob FCMs und Retail-Plattformen, die eigene Prognosemärkte oder Perpetual-Produkte auflegen, Handelsvolumen abziehen könnten, räumte Duffy ein, dies sei „im besten Fall Spekulation“. Er argumentierte, dass 94 % des CME-Geschäfts institutionell geprägt seien und dass reine Retail-Märkte nicht von Dauer sind: „Ich habe in meinen 46 Jahren im Geschäft noch keinen einzigen solchen Markt gesehen.“