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Rockwell Automation: Rechenzentren verdoppeln sich, doch eine breite Erholung der Investitionsausgaben lässt auf sich warten — Worauf es jetzt wirklich ankommt

Baird Global Consumer Conference, 2. Juni 2026 — SVP Tessa Myers und IR-Chefin Aijana Zellner erläutern die Nachfragelage und die Margenperspektiven

Rockwell Automation präsentierte sich auf der Baird Global Consumer Conference mit einer klaren Botschaft: In bestimmten Bereichen ist die Nachfrage ausgesprochen stark, die angehobene Prognose ist verdient, und die Margenausweitung ist eher struktureller als zyklischer Natur. Investoren, die auf eine breite Erholung der industriellen Investitionsausgaben (CapEx) hoffen, müssen sich jedoch weiter gedulden. Das Management räumt offen ein, dass innerhalb des Unternehmens derzeit zwei völlig unterschiedliche Erholungsprozesse gleichzeitig stattfinden – diese miteinander zu vermengen, wäre ein Fehler.

Rechenzentren im Quartalsvergleich verdoppelt – doch der Kontext ist entscheidend

Der wohl bemerkenswerteste Datenpunkt der Konferenz kam von Aijana Zellner, Leiterin der Marktstrategie und Investor Relations bei Rockwell. Sie gab bekannt, dass sich das Geschäft mit Rechenzentren im zweiten Geschäftsquartal mehr als verdoppelt hat. Das ist eine Wachstumsrate, die aufhorchen lässt, auch wenn Zellner sie präzise einordnete: „Es macht noch keinen großen Teil unseres Umsatzes aus. Es liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich unseres Gesamtumsatzes, wächst aber im hohen zweistelligen Bereich.“ Neben Rechenzentren waren Halbleiter, E-Commerce, Lagerautomatisierung und Energie die vier vertikalen Märkte, die positiv überraschten. Dies gab dem Management das Vertrauen, die Prognose für das Kerngeschäftswachstum am Mittelwert um etwa drei Prozentpunkte anzuheben, was den Ausblick für den Gesamtumsatz auf ein mittleres Wachstum von 7 % hebt.

Der Energiesektor, der etwa 15 % des Gesamtumsatzes ausmacht, wird zunehmend als Chance und nicht mehr als Belastung gesehen. Das Management hob den Ausblick für den Halbleiterbereich an, und E-Commerce sowie Lagerautomatisierung waren bereits als am schnellsten wachsende Segmente eingeplant. All dies geschieht nicht zufällig – Rockwell baut sein Engagement in diesen Bereichen gezielt aus, als Teil eines im Geschäftsjahr 2023 eingeführten Wachstumsrahmens, der ein organisches Wachstum von 5 % bis 8 % über den gesamten Zyklus anstrebt.

Die ehrliche Einschränkung: Nahrungsmittel und Automobilindustrie hinken hinterher

Besonders wertvoll für Investoren war die Offenheit des Managements bezüglich der Bereiche, die derzeit nicht rund laufen. Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie (ca. 20 % des Gesamtumsatzes) sowie die Automobilbranche (ca. 10 %) zeigen nur zögerliche Aktivitäten. „Wir sehen zwar einige Aktivitäten, einige Programmfreigaben und großartige Erfolge, aber noch nicht das Volumen an Investitionsausgaben, das nötig wäre, um unsere Prognose weiter anzupassen“, so Zellner. Die makroökonomischen Gründe sind bekannt – Handelsunsicherheiten, geopolitische Volatilität, Inflation bei den Inputkosten und Sorgen um die Konsumlaune –, doch die Einordnung ist entscheidend. Rockwell gibt keine Entwarnung für eine breite industrielle Investitionswelle. Die höhere Prognose ist das Ergebnis einer überdurchschnittlichen Performance spezifischer Verticals, nicht einer makroökonomischen Trendwende. Sollten die Nahrungsmittel- und Automobilsektoren ihre Programme breiter ausrollen, so Zellner, würde dies die Ergebnisse eher an das obere Ende der Prognose treiben, doch dies sei eine Upside-Option, kein Basisszenario.

Produktionslogistik: Die strategische Wette gewinnt an Fahrt

Eine der substanzielleren Diskussionen drehte sich um die Produktionslogistik, eine Strategie, die Rockwell Anfang 2024 offiziell startete. Tessa Myers, SVP für Intelligent Devices, beschrieb dies als „das Konzept der vollständigen Automatisierung des durchgängigen Materialflusses in einer Fertigungsanlage“. Dabei werden autonome mobile Roboter, unabhängige Transportsysteme, Betriebsmanagement-Software und Beratungsleistungen in einem integrierten Angebot gebündelt. Die Erkenntnis für Investoren: Es handelt sich nicht um ein bloßes Zusatzprodukt, sondern um den gezielten Versuch, ein Hindernis zu beseitigen, das die Automatisierung bisher oft erschwerte – die Integration mobiler Geräte in bestehende, stationäre Automatisierungsanlagen.

Die Automobilindustrie war die erste Branche, die diesen Ansatz in großem Stil übernahm. Neu und bemerkenswert ist, dass in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2026 groß angelegte Implementierungen im Bereich Konsumgüter (CPG) folgten. Myers bezeichnete dies als echte Diversifizierung des Kundenstamms, was mit Rockwells Vorstoß in den CPG-Mittelstand durch Cloud-native Software wie das Manufacturing Execution System Plex und die CMMS-Plattform Fiix korrespondiert. Das Angebot an kleinere Hersteller ist simpel: modulare, Cloud-gesteuerte Software, die schnelleren Mehrwert liefert, ohne ein großes internes IT-Team zu erfordern.

KI ist bereits integriert – kein bloßer Punkt auf der Roadmap

Rockwells KI-Narrativ ist ausgereifter als das vieler anderer Industrieunternehmen. Myers stellte klar: „Wir nutzen Machine Learning, das eng mit KI verknüpft ist, schon seit geraumer Zeit, vor allem zur Prozessoptimierung.“ Die praktischen Anwendungen erstrecken sich über den gesamten Automatisierungslebenszyklus. Im Designbereich beansprucht Rockwell einen Vorsprung durch Cloud-basierte Software, die nun durch KI-Agenten ergänzt wird, welche Automatisierungscode bewerten und generieren können. Dies verkürzt das Systemdesign und die Implementierung von Wochen auf Stunden oder Tage. Im operativen Bereich hat das Unternehmen Vision AI für die Inline-Qualitätsprüfung eingeführt und bietet Prozessoptimierungstools an, die direkt in das Steuerungssystem eingebettet sind. Im Wartungsbereich überwacht Guardian AI elektrische Signale von Frequenzumrichtern, um Lager- oder Motorausfälle vorherzusagen, bevor sie zu Stillständen führen, während ein Asset-Risk-Prädiktor in der CMMS-Software Wartungsbedarf auf Basis historischer Ausfallmuster erkennt.

Zellner betonte den Wettbewerbsvorteil: „Unser Fokus auf Software unterschied sich von dem einiger Wettbewerber. Manche unserer Konkurrenten konzentrieren sich stark auf andere Bereiche des Technologie-Stacks, etwa auf Produktdesign, Chipdesign oder CAD. Wir konzentrieren uns auf das Fertigungs- und Produktionsumfeld.“ Die KI-Ebene, die auf der bestehenden Cloud-nativen Designplattform aufbaut, ist der zukunftsorientierteste Teil – die Infrastruktur wurde von Grund auf für diese Art von KI-Erweiterung konzipiert, was bei alten On-Premise-Architekturen nicht der Fall ist.

ARR wächst, aber Dienstleistungen schwächeln – Ein geteiltes Bild innerhalb der 10 %

Die jährlich wiederkehrenden Umsätze (ARR) machen mittlerweile über 10 % des Gesamtumsatzes von Rockwell aus, eine Kombination aus SaaS-Software und hochwertigen Managed Services. Die wiederkehrende Software, getrieben durch Plex und Fiix, wächst im hohen einstelligen Bereich und bildet den stabilen Teil des Geschäfts. Die Dienstleistungskomponente hingegen verlangsamt sich, da Kunden aufgrund kurzfristiger Kostendrucks Investitionen in Cybersicherheit, Sicherheitstechnik und Fernüberwachung aufschieben. Rockwell prognostiziert für das Gesamtjahr ein ARR-Wachstum im hohen einstelligen Bereich, erwartet jedoch, dass die Software den Dienstleistungsbereich kurzfristig übertreffen wird. Für Investoren, die den ARR-Pfad modellieren, ist diese Aufteilung wichtig: Der Softwareanteil hat eine strukturelle Dynamik, während die Erholung der Dienstleistungen von der makroökonomischen Stabilität abhängt.

Margen: Strukturelle Arbeit, nicht nur Volumeneffekte

Die inkrementellen Margen lagen im Quartal bei über 50 % – ein außergewöhnlicher Wert für ein Industrieunternehmen. Tessa Myers betonte, dass dies das Ergebnis gezielter, mehrjähriger Arbeit sei und nicht allein durch Volumeneffekte erzielt wurde. Zu den Hebeln gehören Produktdesigns zur Senkung der Materialkosten, Verhandlungen in der Lieferkette, die Rationalisierung indirekter Ausgaben, Logistikeffizienz und das Insourcing zuvor ausgelagerter Unterbaugruppen. Auch strukturelle Personalmaßnahmen, die vor diesem Geschäftsjahr eingeleitet wurden, tragen dazu bei. Rockwell investiert über fünf Jahre 2 Milliarden Dollar, davon 80 % in Investitionsausgaben (CapEx), einschließlich einer neuen Produktionsstätte in Wisconsin sowie in Automatisierungs- und KI-Investitionen in eigenen Werken. Ziel ist es, eine selbsttragende Pipeline von Produktivitätsprojekten aufzubauen, statt sich auf eine einzelne Initiative zu verlassen.

Hinsichtlich des Preis-Kosten-Verhältnisses plant Rockwell für das Jahr mit einer Preissteigerung von 250 Basispunkten – 150 Basispunkte durch zugrundeliegende Preisanpassungen und 100 Basispunkte speziell durch die Weitergabe von Zöllen. Die Kosten für Speicherchips steigen sequenziell, und das Management räumte ein, dass es in jedem Quartal zu zeitlichen Diskrepanzen zwischen Kostenanstiegen und der Realisierung von Preiserhöhungen kommen kann. Auf Jahressicht sollen sich diese Effekte ausgleichen, doch die vierteljährliche Volatilität beim Preis-Kosten-Verhältnis bleibt ein reales Risiko, das es zu beobachten gilt.

Das Segment Intelligent Devices, für das Myers verantwortlich ist, wuchs im zweiten Quartal organisch um 9 %, mit breiter Stärke in den Bereichen Antriebstechnik, I/O-Plattformen, Sensorik und Sicherheitstechnik sowie Stromversorgungsinfrastruktur für Rechenzentren. Eine neu eingeführte I/O-Plattform der nächsten Generation findet zunehmend Anklang, und die Umsätze mit autonomen mobilen Robotern wuchsen im ersten Halbjahr deutlich. Das Segment erfüllt seine Margenziele, und Myers' Botschaft zu den künftigen Prioritäten ist unmissverständlich: Produktivitätsverbesserungen sind ein dauerhaftes Programm, keine vorübergehende Initiative.

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