Xiaomi-KI-Modell MiMo führt globale Nutzungsstatistiken an – Speicherpreisschock belastet Smartphone-Margen
Ergebnisbericht zum zweiten Quartal 2026, 18. August 2026
Die Xiaomi Corporation nutzte die Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des zweiten Quartals 2026 für eine Botschaft, die bei Investoren angesichts des branchenweiten Speicherpreisschocks aufmerksam verfolgt werden dürfte: Das Unternehmen hielt die Bruttomarge im Smartphone-Geschäft bei 8,5 %, obwohl die Kosten für Speicherkomponenten auf etwa das Fünffache des Vorjahresniveaus gestiegen waren – ein Ergebnis, das Analysten offenbar überraschte. Präsident Weibing Lu erklärte gegenüber Analysten direkt: „Beim letzten Mal waren Sie wegen unserer Bruttomarge besorgt. Wir haben sie jedoch bei 8,5 % gehalten. Ich denke, das übertrifft Ihre Erwartungen.“ Der Gesamtumsatz für das Quartal belief sich auf 108,9 Milliarden RMB, bei einem bereinigten Nettogewinn von 6,2 Milliarden RMB.
Speicherpreisschock prägt Produktstrategie neu
Das beherrschende Thema der Konferenz war der beispiellose Anstieg der Kosten für Speicherkomponenten, der laut Management in den vergangenen Quartalen die eigenen Erwartungen übertroffen hat. Lu äußerte sich offen zu den Mechanismen: Einsteiger-Smartphones sind am stärksten betroffen; selbst ein Gerät mit Basisspeicher muss inzwischen über 2.000 RMB kosten, um die Kosteninflation aufzufangen. Xiaomis Reaktion bestand darin, die durchschnittlichen Verkaufspreise um 300 RMB gegenüber dem Vorjahr anzuheben, während die Auslieferungen tatsächlich zurückgingen – ein Kompromiss, den das Management eher als bewusste Neuausrichtung denn als Nachfrageproblem darstellte. Die weltweiten Auslieferungen beliefen sich im Quartal auf 31,2 Millionen Einheiten, womit Xiaomi laut den in der Konferenz zitierten Omdia-Daten das 24. Quartal in Folge unter den Top drei weltweit blieb.
Lu gab einen bemerkenswert abgewogenen Ausblick auf die weitere Entwicklung der Speicherpreise. Er bezweifelte, dass die Kosten dauerhaft auf dem fünffachen Niveau bleiben werden, räumte jedoch ein, dass es „schwierig zu sagen ist, wie hoch sie letztlich sein werden, vielleicht in der Mitte“. Er verwies auf eine branchenweite Preisanpassung, die bereits im Gange sei, und merkte an, dass Apple und andere Anbieter ihre Preisstrategien ebenfalls an diesen Kostendruck anpassten. Er prognostizierte, dass sich langfristig ein „globales Gleichgewicht“ einstellen werde. Kurzfristig wies CFO Alain Lam darauf hin, dass das Management die Rohstoffbestände, insbesondere bei Speicherchips, von 30 Milliarden RMB im Vorquartal auf etwa 40 Milliarden RMB aufgestockt habe – sowohl zur Sicherung der Volumina als auch aufgrund der steigenden Stückpreise.
Globales Ranking des MiMo-Modells ist herausragender KI-Datenpunkt
Der konkreteste Beleg für die wachsende externe Bedeutung der KI-Ambitionen von Xiaomis kam über einen Datenpunkt eines Drittanbieters: Xiaomis Large Language Model MiMo-V2.5 führte das globale Ranking des Abrufvolumens bei OpenRouter an. Die Nutzung stieg innerhalb von zwei Monaten um mehr als das Sechsfache von 1,5 Billionen auf 10,5 Billionen Tokens – ein Meilenstein, über den der staatliche chinesische Sender CCTV am 2. August berichtete. Das Management führte die Akzeptanz auf die Agenten- und Programmierfähigkeiten des Modells, die wettbewerbsfähige Preisgestaltung und die vollständige Open-Source-Veröffentlichung zurück. Lam beschrieb es schlicht: „Das bedeutet, dass sich globale Entwickler wirklich für unser Modell entschieden haben.“
Trotz der Dynamik stellte das Management klar, dass die Monetarisierung keine kurzfristige Priorität habe. Lam erklärte, das Unternehmen befinde sich in einer „großangelegten Investitionsphase“ für KI und sei „nicht allzu sehr darauf bedacht, die Monetarisierung zu forcieren“. Stattdessen werde MiMo auf eine tiefe Integration in das Ökosystem aus Smartphones, Smart Homes, Autos und Robotik ausgerichtet. Einnahmen aus APIs und Token-Plänen fließen in diesem Quartal zwar bereits in das Segment Smart EV, AI und Other New Initiatives ein, werden jedoch innerhalb von rund 1 Milliarde RMB unter „sonstige damit verbundene Geschäfte“ verbucht, statt separat ausgewiesen zu werden. Investoren, die auf eine eigenständige Offenlegung der KI-Umsätze warten, müssen sich gedulden; Lam sagte, das Unternehmen werde diese „möglicherweise zu einem geeigneten Zeitpunkt“ separat ausweisen.
Robotik: Vom Labor in die Fabrikhalle
Xiaomi legte konkrete Produktionskennzahlen für sein Programm zur verkörperten Robotik (Embodied Robotics) vor – ein Schritt, der über die in der Branche üblichen Forschungsberichte hinausgeht. In der eigenen E-Auto-Fabrik erreichten Roboter eine Erfolgsquote von 98 % bei der Aufgabe, Gewindeeinsätze selbst einzuschrauben, und werden derzeit bei Logistikaufgaben wie Sortieren und dem Falten von Mehrwegbehältern mit einer Erfolgsquote von 90 % getestet. Das Unternehmen veröffentlichte zudem zwei neue Open-Source-Modelle: Robotics-U0, das als erstes einheitliches generatives Modell zur Bewältigung aller vier Kategorien verkörperter Intelligenzaufgaben beschrieben wird, und Robotics-1, das mit 100.000 Stunden realer Daten vortrainiert wurde. Lu dämpfte die Erwartungen hinsichtlich des Zeitplans für die Monetarisierung und betonte, dass es „für die endgültige großflächige Reife und Entwicklung noch längere Zeit dauern wird“. Kurzfristige Vorhaben wie Lieferroboter schloss er explizit aus und positionierte das Projekt stattdessen als langfristiges Synergie-Instrument für Xiaomis Chip-, Modell- und Systemkompetenzen.
EV-Segment: Neue Architektur und Erläuterung der Margenvolatilität
Xiaomi lieferte im Quartal 104.199 Fahrzeuge aus, das sechste Quartal in Folge mit einem Wachstum gegenüber dem Vorjahr; die kumulierten Auslieferungen des SU7 überstiegen zum 17. August 500.000 Einheiten. Wichtiger war die Vorstellung der Xiaomi Kunlun Extended-Range-Architektur im Juli und der daraus resultierenden SkyNomad-SUV-Serie, die als „intelligentes variables Raumkonzept“ für Familien positioniert wird und sich vom SU7 und U7 abhebt. Lu erklärte, frühe Bestelldaten deuteten auf eine ältere, familienorientiertere Käuferschicht hin als beim SU7, mit einer „sehr geringen“ Überschneidung der beiden Kundengruppen. Die Vorverkaufspreise für den SkyNomad N90 Max und N70 Max wurden auf 299.900 RMB bzw. 259.900 RMB festgelegt; die offizielle Markteinführung und finale Preisgestaltung folgen im September.
Die Bruttomarge im Segment Smart EV, AI und Other New Initiatives lag bei 19,2 %. Lam erläuterte drei spezifische Belastungsfaktoren: einen schwierigeren Vorjahresvergleich aufgrund der margenstärkeren SU7 Ultra-Auslieferungen, eine Verschiebung des Produktmixes im Quartalsvergleich hin zum margenschwächeren neuen SU7 gegenüber dem U7 sowie die Belastung durch das neu gestartete KI-Modellgeschäft, das in dasselbe Segment integriert ist. Das Segment wies im Quartal einen operativen Verlust von 2,6 Milliarden RMB aus, während die KI-Investitionen weiter hochgefahren werden. Bemerkenswert war, dass Lu der Auffassung widersprach, der durchschnittliche Verkaufspreis (ASP) sei ein Indikator für die Margenentwicklung. Er erklärte gegenüber Analysten: „Der ASP ist relativ gesehen nicht mit der Bruttomarge verknüpft. Es bedeutet nicht, dass bei einem niedrigen ASP auch die Bruttomarge niedrig sein muss.“
Expansion in Übersee und Kapitalrückführungen
Die internationale Expansion bleibt ein Wachstumstreiber: Mittlerweile gibt es über 640 Xiaomi-Einzelhandelsgeschäfte im Ausland. Das Management plant den weiteren Ausbau des Filialnetzes sowie den Eintritt in den Markt für große Haushaltsgeräte in Europa – ein Bereich, den das Management zuvor als „unerschlossen“ für internationale Märkte bezeichnet hatte. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer (MAU) weltweit erreichte 770 Millionen, ein Anstieg von 4,8 % gegenüber dem Vorjahr, wobei die MAU auf dem chinesischen Festland einen Rekordwert von 198 Millionen erreichten. Bezüglich der E-Autos bestätigte Lam, dass das Interesse internationaler Händler bereits vor einer geplanten Markteinführung in Übersee in der zweiten Jahreshälfte 2027 zunehme. Er bezeichnete das Interesse von Top-10-Händlern aus mehreren Ländern als ungewöhnlich proaktiv und führte dies darauf zurück, dass Xiaomi als Technologieunternehmen und nicht als traditioneller Automobilhersteller wahrgenommen werde. Unabhängig davon erreichten die Aktienrückkäufe von Xiaomi seit Jahresbeginn 11,7 Milliarden HKD und übertrafen damit bereits das Gesamtvolumen des Vorjahres – ein Signal für das Vertrauen des Managements in die Bewertung, auch wenn kurzfristiger Kostendruck die ausgewiesene Rentabilität belastet.