Corporación América Airports kündigt erste Dividende von $150 Millionen an – Argentinische Belastungen als vorübergehend eingestuft
Ergebnisbericht zum zweiten Quartal 2026, 18. August 2026
Corporación América Airports nutzte die Telefonkonferenz zum zweiten Quartal, um ein neues Kapitel in seiner Kapitalallokationsstrategie aufzuschlagen: Der Vorstand des Unternehmens genehmigte die erste Bardividende in der Geschichte des Konzerns mit einem Gesamtvolumen von $150 Millionen, was etwa $0,91 pro Aktie entspricht und noch in diesem Jahr ausgezahlt werden soll. CEO Martin Eurnekian bezeichnete den Schritt als „einen wichtigen Meilenstein in unserer Kapitalallokationsstrategie“. Der vom Management skizzierte Rahmen deutet darauf hin, dass dies künftig eher die Regel als eine einmalige Maßnahme sein dürfte. Die Dividende basiert laut Eurnekian auf vier Prinzipien: der Steigerung der Aktionärsrendite, der Wahrung der Kreditstärke und des Spielraums bei Kreditvereinbarungen, der Vorhaltung ausreichender Barmittel bei den operativen Tochtergesellschaften zur Finanzierung lokaler Strategiepläne sowie der Sicherung finanzieller Flexibilität auf Holding-Ebene für Akquisitionen. CFO Jorge Arruda betonte, dass die Ausschüttung so bemessen sei, dass das Wachstumskapital in Märkten wie Armenien, wo in Kürze ein umfangreiches Investitionsprogramm (Capex) im Zusammenhang mit einer Konzessionsverlängerung beginnt, nicht gefährdet werde.
Die Dividendenankündigung erfolgt aus einer Position finanzieller Stärke heraus. Die Gesamtliquidität stieg gegenüber dem Jahresende 2025 von $715 Millionen um 20 % auf $861 Millionen, während die Nettoverschuldung von $502 Millionen auf $381 Millionen sank, was einer Nettoverschuldungsquote von lediglich dem 0,5-fachen des EBITDA entspricht. Nahezu alle operativen Tochtergesellschaften erwirtschafteten im ersten Halbjahr einen positiven operativen Cashflow; Italien und Ecuador bildeten aufgrund von Investitionszyklen und zeitlichen Verschiebungen bei Konzessionsgebühren die einzigen Ausnahmen.
Rückgang des ausgewiesenen EBITDA überzeichnet die operative Schwäche
Oberflächlich betrachtet sank das bereinigte EBITDA (exklusive IFRIC 12) um 4,5 % auf $160 Millionen. Das Management betonte jedoch nachdrücklich, dass dies die zugrunde liegende Dynamik nicht korrekt widerspiegele. Arruda erläuterte die Anpassungen: Bereinigt um einen einmaligen negativen Basiseffekt im argentinischen Frachtgeschäft und nicht wiederkehrende Kosten in Uruguay wäre das EBITDA um 5 % gewachsen statt gesunken. Die argentinischen Umsätze ohne Frachtgeschäft stiegen um 13 %, und der Kostenanstieg im Land blieb – exklusive Abschreibungen – auf etwa 3,4 % begrenzt. Vier der sechs operativen Segmente des Unternehmens verzeichneten im Quartal ein zweistelliges EBITDA-Wachstum; lediglich Argentinien und Uruguay belasteten das konsolidierte Ergebnis.
Der Rückgang im argentinischen Frachtgeschäft war auf einen ungewöhnlich schwierigen Vorjahresvergleich zurückzuführen: Arbeitskampfmaßnahmen beim Zoll im April 2025 hatten die Liegezeiten der Fracht verlängert und die Lagergebühren im Vorjahresquartal künstlich in die Höhe getrieben. Die effizientere Zollabfertigung in diesem Jahr verkürzte die Liegezeiten und damit die Lagererlöse – eine Entwicklung, die das Management eher als vergleichsbedingten Effekt denn als Verschlechterung der Fundamentaldaten wertete. Der EBITDA-Rückgang in Uruguay um 16 % bei einer Margenkontraktion von 8,4 Prozentpunkten war auf Kosten für ein neues ILS-System zurückzuführen, das erst im August Erträge generierte, sowie auf Instandhaltungskosten, die den damit verbundenen Ertragsvorteilen vorausgingen.
Kapazitätskürzungen bei Flybondi belasten argentinischen Inlandsverkehr
Das argentinische Inlandsaufkommen sank im Quartal um fast 12 % und war damit die größte Belastung für das konsolidierte Passagiervolumen. Das Management benannte die Ursache klar: Es handele sich um ein Angebots- und nicht um ein Nachfrageproblem. Flybondi hat seine operative Flotte angesichts gestiegener Treibstoffkosten deutlich reduziert. Arruda merkte an, dass die Fluggesellschaft für die kommenden Monate lediglich ein langsames Wachstum von 16 auf 19 Flugzeuge plane. Das Management verwies auf historische Präzedenzfälle wie das Zusammenbrechen von PLUNA in Uruguay oder die Probleme von Avianca in Brasilien, bei denen freiwerdende Sitzplatzkapazitäten eines Anbieters schließlich von anderen übernommen wurden. Dass sich diese These bestätigt, zeigt laut Arruda die Entwicklung im Juli: Sowohl Aerolíneas Argentinas als auch JetSMART verzeichneten den zweitbesten Monat ihrer Geschichte auf dem argentinischen Inlandsmarkt. Eurnekian ergänzte, dass die geplante, mehr als 15 Tage dauernde Start- und Landebahnwartung in Ezeiza den Inlandsverkehr im Zeitraum Oktober-November weiter unter Druck setzen werde, jedoch auf konsolidierter Ebene keine wesentlichen Auswirkungen haben dürfte.
Internationaler Verkehr und Umsatz pro Passagier als ausgleichende Faktoren
Während der Inlandsverkehr in Argentinien schwächelte, stieg der internationale Verkehr im Land um 4 %. Argentinien verzeichnete im ersten Halbjahr das stärkste Wachstum der internationalen Sitzplatzkapazitäten aller südamerikanischen Märkte im Portfolio des Unternehmens, angetrieben durch neue Routen und zusätzliche Frequenzen mehrerer Fluggesellschaften. Der konsolidierte Umsatz pro Passagier stieg um fast 9 % auf $22,90 (Vorjahr: $21,00), wobei in jedem operativen Land, einschließlich Argentinien, Zuwächse verzeichnet wurden. Die kommerziellen Erlöse stiegen – bereinigt um die Verzerrungen durch das argentinische Frachtgeschäft – um 26 % und übertrafen damit das Verkehrswachstum deutlich. Treiber waren VIP-Lounges, Duty-Free-Shops und Vermietungen; die Mietperformance in Brasilien bezeichnete Arruda als „phänomenal“.
Armenien kompensiert Nahost-Konflikt durch Wizz Air-Basis und europäische Nachfrage
Armenien verzeichnete mit einem Plus von 13 % im Quartal das stärkste Verkehrswachstum im Portfolio, das sich im Juli sogar auf 17 % beschleunigte – trotz Flugstreichungen und regionaler Luftraumbeschränkungen infolge des Nahost-Konflikts. Eurnekian stellte fest, dass der Verkehr aus dem Nahen Osten, der über 20 % des Gesamtvolumens Armeniens ausmacht, zwar deutlich beeinträchtigt wurde, dieser Effekt jedoch durch die robuste Nachfrage aus und nach Europa mehr als ausgeglichen werden konnte, unterstützt durch die neue Wizz Air-Basis in Zvartnots. „Dies hat die Auswirkungen des Verkehrs in den Nahen Osten mehr als wettgemacht“, so Eurnekian, der hinzufügte, dass neue Routen sowohl die Diaspora als auch den breiteren Markt ansprechen sollen. Das EBITDA in Armenien stieg im Quartal um 21 %, wenngleich die Margen durch den Ausbau des margenschwächeren Treibstoffhandels weiter unter Druck stehen.
Regulatorische Prozesse in Argentinien und Italien noch offen, aber in Bewegung
Investoren befragten das Management zum Status zweier langwieriger regulatorischer Prozesse: die Neuausrichtung der Konzession in Argentinien und die Genehmigung des Masterplans für den Flughafen Florenz in Italien. Bezüglich Argentinien distanzierte sich Eurnekian von jüngsten Medienberichten über Verhandlungsdetails und stellte klar: „Das sollte als Indiskretion betrachtet werden... Stand heute ist davon nichts rechtsgültig oder bindend.“ Er bezeichnete die Berichte als Anzeichen für Fortschritte, lehnte es jedoch ab, Details zu bestätigen, bevor eine rechtsverbindliche Vereinbarung vorliege. Zum Masterplan der Toscana Aeroporti in Italien erklärte Arruda, das Unternehmen erwarte, dass das italienische Infrastrukturministerium und die Luftfahrtbehörde ANAC das Projekt in naher Zukunft formell als „strategisch“ einstufen – ein notwendiger Schritt vor der obligatorischen Konferenz für öffentliche Dienstleistungen. Es gebe bislang „keine Warnsignale“ im Prozess.
Neue Konzessionspipeline umfasst Afrika, den Nahen Osten und Amerika
Das Management bestätigte, dass das Unternehmen weiterhin aktiv neue internationale Konzessionen anstrebt. Die konkretste Information betrifft den Status auf der Shortlist für die öffentliche Ausschreibung des Flughafens Hurghada in Ägypten, an der sich das Unternehmen gemeinsam mit einem lokalen Partner beteiligt. Hinsichtlich weiterer Möglichkeiten in Afrika, dem Nahen Osten und Amerika blieb Eurnekian zurückhaltend. Er verwies auf die Praxis des Unternehmens, sich bis zur öffentlichen Bekanntgabe oder Vergabe von Geboten bedeckt zu halten, und erinnerte an die Präzedenzfälle in Nigeria und Angola. „Wir sprechen nicht über Möglichkeiten, wenn sie noch nicht reif genug sind“, sagte er und signalisierte, dass weitere Akquisitionsankündigungen eher opportunistisch als nach einem festen Zeitplan zu erwarten seien.