Telefonkonferenz zum dritten Quartal 2026, 4. November 2026
International Flavors & Fragrances hat Ergebnisse für das dritte Quartal vorgelegt, die beim Umsatz sauber ausfielen, hinsichtlich der kurzfristigen Profitabilität jedoch eine vorsichtigere Botschaft senden, als der reine Zahlenwert vermuten lässt. Das Management hob das untere Ende beider Prognosebereiche für das Gesamtjahr an – auf einen Umsatz von $7,5 Milliarden bis $7,6 Milliarden und ein bereinigtes operatives EBITDA von $1,55 Milliarden bis $1,6 Milliarden. Der Ausblick signalisiert zugleich ein viertes Quartal, in dem sich die Margen moderat entwickeln, das Umsatzwachstum sich auf etwa 3% verlangsamt und das Verhältnis von Preisen zu Einstandskosten ungünstig ausfällt. Die Anhebung des unteren Endes bei unveränderter Obergrenze ist eher als Risikoreduzierung denn als Erwartungssteigerung zu werten.
Einstandskosten als neues Problem, Q1 2027 markiert voraussichtlich die Talsohle
Die wichtigste neue Information der Telefonkonferenz betraf die Kosteninflation. Finanzvorstand Michael DeVeau erklärte, dass die größten Steigerungen von Erdölderivaten ausgehen – einschließlich deren Auswirkungen auf Energie und Logistik – und dass der Druck über Taste, Scent sowie Health & Biosciences hinweg „ziemlich breit angelegt“ ist. Auf die Frage, ob die von dsm-firmenich für 2027 genannte Rohstoffinflation von rund 3% plausibel sei, erwiderte er, diese Zahl „fühle sich richtig an“ und decke sich mit den aktuellen Trends. Er führte dies teilweise auf den Nachlaufeffekt höherer Brent-Rohölpreise auf Petrochemie, Logistik und Energie zurück, zu denen noch eine breitere Rohstoffinflation hinzukommt.
Eine Erholung hängt von der Preisgestaltung ab, und das Timing ist ungünstig. IFF befindet sich mitten in den jährlichen Preisverhandlungen, die bis Dezember laufen, und DeVeau kündigte an, dass das Verhältnis von Preisen zu Einstandskosten im vierten Quartal aufgrund von Zeitverzögerungen negativ ausfallen wird. Seine zeitliche Einordnung war präzise: Die Lücke wird im ersten Quartal 2027 am größten sein, sich in den darauffolgenden Quartalen jeweils verringern und im Jahresverlauf „ins Positive drehen“. Das Management nannte keinen Zeitplan für eine vollständige Parität und lehnte auf Nachfrage von Baird spezifische Angaben ab. Die Beschaffungsproduktivität soll einen Teil der Belastung ausgleichen. Investoren sollten dies als wahrscheinliche Belastung für die Margenentwicklung im ersten Halbjahr 2027 werten, auch wenn das Unternehmen zuletzt eine volumengetriebene Margenausweitung verzeichnete und die bereinigte operative EBITDA-Marge im dritten Quartal um 20 Basispunkte auf 20,8% stieg.
Health & Biosciences: Dreiteiliger Margendruck im Q4
Health & Biosciences bildete den Schwachpunkt. Der Segmentumsatz stieg lediglich um 1% auf $566 Millionen, wobei ein Rückgang im Bereich Health das Wachstum im mittleren einstelligen Bereich bei Food Biosciences und Getreideverarbeitung ausglich. Das Management begründete die Schwäche mit einem weichen Endmarkt. CEO Erik Fyrwald erklärte, die Verbraucher in den USA und Europa hätten ihre Ausgaben für Nahrungsergänzungsmittel unter wirtschaftlichem Druck gekürzt, und räumte ein, dass „der Markt sehr schwach“ ist und die Erholung „einfach Zeit braucht“.
DeVeau nannte drei Treiber für den Margendruck bei H&B im vierten Quartal. Erstens beeinträchtigt die Volumenschwäche im Bereich Health den Produktmix, da Health zu den margenstärkeren Geschäften des Unternehmens gehört. Zweitens belasten ungünstige Nettopreise im Verhältnis zu den Einstandskosten, die nach seiner Aussage aus Logistik und Energie resultieren, während sich die Rohstoffe „recht gutartigen“ zeigen. Drittens der Zeitpunkt von Reinvestitionen in F&E und kommerzielle Ressourcen, die er als vorübergehend bezeichnete. Der Mix- und Reinvestitionseffekt dürfte sich weniger schnell auflösen als das Preisproblem; ein Wendepunkt für Health wurde nicht genannt. Ein positiver Produktaspekt war die Markteinführung von GutABAlite, dem ersten neuen Gesundheitsprodukt seit mehreren Jahren, das laut Management auf starkes Kundeninteresse gestoßen ist. Ein finanzieller Beitrag wurde nicht beziffert.
Fyrwald sagte, Food Biosciences sollte weiterhin mit einer hohen einstelligen Rate wachsen, und das breitere Enzymportfolio verzeichne ein solides Wachstum, was darauf hindeutet, dass das Problem auf Health beschränkt ist und nicht das gesamte Enzymgeschäft betrifft.
Taste und Scent liefern volumengetriebenes Wachstum
Der Umsatz im Bereich Taste kletterte um 6% auf $687 Millionen, mit Zuwächsen in allen Regionen. Greater Asia legte zweistellig zu, Lateinamerika im hohen einstelligen, die Region EMEA im mittleren einstelligen und Nordamerika im niedrigen einstelligen Bereich. Das Segment-EBITDA stieg um 7% auf $128 Millionen. Scent wuchs um 6% auf $689 Millionen, angetrieben von einem hohen einstelligen Wachstum bei Consumer Fragrance sowie einem mittleren einstelligen Plus bei Fine Fragrance und Duftstoffen (Fragrance Ingredients). Das Scent-EBITDA erhöhte sich um 10% auf $139 Millionen. In beiden Segmenten war das Volumen der Haupttreiber des Gewinnwachstums.
Das Management führte dies auf Neugewinne und eine in den vergangenen zwei Jahren neu aufgestellte Innovationspipeline zurück. Fyrwald erklärte, IFF erhalte im Bereich Consumer Fragrance „mehr als unseren fairen Anteil“, und Fine Fragrance habe trotz einer starken zweistelligen Vergleichsbasis aus dem Vorjahr ein mittleres einstelligen Wachstum erzielt, unterstützt durch Neugewinne in Europa und Nordamerika. Der Nahe Osten habe sich mit einigen Wachstumszeichen stabilisiert, wobei das Unternehmen angesichts des geopolitischen Umfelds jedoch vorsichtig bleibe. Im Bereich Taste verwies er auf Erfolge bei globalen Schlüsselkunden (Key Accounts) und den Vorstoß in Richtung regionaler und lokaler Kunden; er verwies dabei auf eine Veranstaltung in New Jersey mit 135 anwesenden Kunden. Auf den Konjunkturzyklus angesprochen, sagte er: „Ich denke, wir stehen noch am Anfang.“
Mehrere Analysten baten um eine Quantifizierung des Beitrags durch Neugewinne, die jedoch nicht genannt wurde. Fyrwald betonte lediglich, dass „ein Großteil unseres Wachstums aus den Neugewinnen stammt“ und diese „zu den Basis- oder höheren Margen“ anfallen. Investoren sollten diese Aussage als Richtwert betrachten. Auf die Frage zu GLP-1 erwiderte er, IFF habe sich dank seiner Erfahrung im Verwaltungsrat von Eli Lilly frühzeitig engagiert und betrachte die Nachfrage nach Proteinen, Ballaststoffen sowie reduziertem Zucker und Natrium eher als dauerhaften Trend denn als kurzfristigen Hype. Er bezifferte die Marktchance nicht.
Wachstum im Q4 verlangsamt sich, aber Management schließt Destocking aus
Das währungsbereinigte Umsatzwachstum im vierten Quartal wird auf etwa plus/minus 3% prognostiziert, verglichen mit 5% bis 6% im zweiten und dritten Quartal. Auf die Frage der Deutschen Bank, ob ein Lagerabbau (Destocking) bei Kunden eine Rolle spiele, verneinte DeVeau dies. Er verwies auf eine schwierigere Vorjahresbasis und betonte, dass das vierte Quartal auf Zweijahressicht „nahezu dieselbe Zahl“ wie das dritte Quartal aufweise. Zudem seien die Umsatztrends im vierten Quartal „derzeit solide“. Fyrwald äußerte sich separat dahingehend, dass eine Umsatzspanne von 4% bis 6% in einem normalisierten Umfeld für Scent, Taste sowie Health & Biosciences gleichermaßen erreichbar bleibt.
Abspaltung von Food Ingredients, stranded costs und Liquidität
Der Verkauf von Food Ingredients an CVC Capital Partners für $4,3 Milliarden liegt weiterhin im Zeitplan, um bis zum Ende des ersten Halbjahrs 2027 abgeschlossen zu werden. IFF hat zudem den Verkauf von Soy Crush, Concentrates und Lecithin abgeschlossen und sich auf die Veräußerung von botanischen Extrakten, Vitaminen und Mineralstoffen sowie dem Geschäft mit Lebensmittelveredelungen (Food Enhancement) geeinigt; der Abschluss wird bis Jahresende erwartet. Das fortgeführte Geschäft besteht nun aus Taste, Scent sowie Health & Biosciences.
Die sogenannten stranded costs belaufen sich unverändert auf rund $100 Millionen, wobei zwei Drittel innerhalb von 12 Monaten nach Vollzug eliminiert werden sollen. Zu den Maßnahmen gehören die Neuverhandlung von Verträgen mit Dritten, die Verlagerung von Aufgaben in die globale Geschäftsdienstleistungsorganisation (Global Business Services), technologiegetriebene Effizienzsteigerungen und eine Verkleinerung der Organisation. DeVeau erklärte, das einzige echte Ausführungsrisiko bestehe darin, die Trennungsarbeiten mit dem Programm zum Abbau der stranded costs in Einklang zu bringen, und bezeichnete Reinvestitionen infolge von Dis-Synergien – wie Labortrennungen und einige kommerzielle Ressourcen – als „minimal“.
Die Cash-Generierung hat sich verbessert. Der Free Cashflow nach neun Monaten belief sich auf $371 Millionen, was einem Anstieg von $245 Millionen im Jahresvergleich entspricht, und das Management hat die variable Vergütung an eine Free-Cashflow-Conversions-Metrik geknüpft. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (Payables) bleiben jedoch ein Engpass. DeVeau rechnet damit, dass diese im vierten Quartal in etwa auf dem gleichen Niveau bleiben werden, unter anderem weil Trennungsanforderungen die Vorauszahlung bestimmter Rechnungen erzwingen könnten; zudem bezeichnete er die Verlängerung von Zahlungszielen als die größte verbleibende Chance im Working Capital.
Auf der Bilanzseite stieg das Verhältnis von Nettoverschuldung zu kreditbereinigtem EBITDA von 2,75x an, bedingt durch kurzfristige Schulden zur Finanzierung des abgeschlossenen beschleunigten Aktienrückkaufs (Accelerated Share Buyback) im Volumen von $500 Millionen, bei dem rund 5,8 Millionen Aktien oder etwa 2,3% der ausstehenden Aktien eingezogen wurden. Das Unternehmen plant im vierten Quartal keine weiteren Aktienrückkäufe und rechnet damit, die Schulden mit den Erlösen aus dem Verkauf von Food Ingredients zu tilgen. Damit bleibt eine Ermächtigung über $2,5 Milliarden bis zum Abschluss der Transaktion weitgehend ungenutzt.