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iQIYI setzt auf KI-generierte Inhalte: Verlust schrumpft in Richtung Gewinnschwelle

Ergebnispräsentation zum zweiten Quartal 2026, 18. August 2026

iQIYI hat die Bilanzvorlage für das zweite Quartal genutzt, um eine grundlegende Neuausrichtung seines Content-Geschäfts zu skizzieren. Das Unternehmen verabschiedet sich von dem zentralisierten, plattformgesteuerten Modell, das den chinesischen Streaming-Markt über ein Jahrzehnt lang geprägt hat, und setzt stattdessen auf Künstliche Intelligenz. CEO Yu Gong sprach von einem „dezentralen, auf Creator und Nutzer ausgerichteten Social-Media-Ökosystem“, das durch KI-Tools gestützt wird. Laut Management senken diese bereits in bestimmten Inhaltskategorien die Produktionskosten und Zeitpläne um bis zu 90 %.

Der strategische Schwenk erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem sich das Kerngeschäft stabilisiert. Der Gesamtumsatz belief sich auf 6,3 Milliarden RMB, ein sequenzieller Anstieg von 1 %. Der operative Verlust (Non-GAAP) verringerte sich gegenüber dem ersten Quartal um 8 % auf 30,3 Millionen RMB (nach 148,6 Millionen RMB im Vorquartal), womit iQIYI in unmittelbare Nähe der Gewinnschwelle rückt. Der operative Cashflow verdoppelte sich nahezu auf 339,6 Millionen RMB.

AIGC: Vom Experiment zur Serienreife

Die wichtigste Entwicklung ist der Umfang, in dem iQIYI generative KI mittlerweile in der tatsächlichen Content-Produktion einsetzt – nicht nur als Effizienzwerkzeug, sondern als eigenständige Inhaltskategorie. Im Juli feierte „Mystic Tale Chitan“ Premiere, der nach Angaben des Unternehmens erste KI-generierte Internet-Spielfilm, der eine offizielle Lizenz für die Verbreitung als Internet-Drama und -Film erhielt. Dieser regulatorische Meilenstein markiert laut Management den Übergang von AIGC (AI-Generated Content) im Langformat „von der technischen Erprobung zur standardmäßigen Großserienproduktion“. Seit Jahresbeginn hat iQIYI zudem 16 KI-generierte Kurzform-Dramen im Rahmen eines Umsatzbeteiligungsmodells veröffentlicht.

Das Management äußerte sich explizit dazu, wo die KI-Adaption am schnellsten voranschreitet und wo nicht. Chief Content Officer Xiaohui Wang erläuterte eine Adoptionskurve nach Kategorien: Mikro-Dramen und Mikro-Animationen werden mittlerweile primär durch AIGC getrieben; KI macht hier bereits über 50 % des Portfolios und der Unique Visitors von iQIYI aus. Animationen und Kinderinhalte folgen aufgrund der bereits bestehenden CG-Industrialisierung. Kurzform-Dramen und Internet-Spielfilme sind Ziele mittlerer Komplexität, bei denen in Genres wie Fantasy und Übernatürliches eine „aktive Adaption“ zu beobachten ist. Langform-Dramen und Kinofilme bleiben hingegen die Kategorie mit dem „höchsten emotionalen und künstlerischen Wert“, in der KI die Realfilmproduktion eher unterstützt als ersetzt. „KI senkt die grundlegenden Kosten und Eintrittsbarrieren für die Produktion, aber sie senkt nicht die Messlatte für Kreativität und Urteilsvermögen“, so Wang – eine Unterscheidung, die das Management wiederholt betonte, um KI als Kostenhebel und nicht als kreativen Ersatz zu positionieren.

Die unternehmenseigene Produktionsplattform NadouPro steht im Zentrum dieses Wandels. Das Management beschrieb sie als „Produktionsplattform auf Studio-Niveau für Creator“, die Drehbuchschreiben, Shot-Design, Schnitt und Synchronisation in wiederverwendbare Plattformfunktionen umwandelt. Das erklärte Ziel ist es, sowohl interne Produktionskosten zu senken als auch einen neuen externen Umsatzstrom durch die Lizenzierung der Produktionskapazitäten an Drittanbieter zu generieren.

Marktanteil bei Kurzform-Dramen in drei Monaten verdoppelt

Der wohl konkreteste Beleg für den Erfolg der Strategie findet sich bei den Kurzform-Dramen – einem Format mit einer Laufzeit von typischerweise 15 bis 25 Minuten pro Episode. Laut den vom Management zitierten Daten von Enlightent verdoppelte sich der Marktanteil von iQIYI in dieser Kategorie von 25 % im März auf 50 % im Juni. Damit übernahm das Unternehmen erstmals die Marktführerschaft, getrieben durch den Originaltitel „The Fireman: 10th Anniversary“, der einen täglichen Spitzenmarktanteil von rund 60 % erreichte. Das Management wies darauf hin, dass Kurzform-Dramen die Produktionskosten pro Minute um mehr als 50 % gegenüber Langform-Inhalten senken und die Zeitspanne von der Produktion bis zur Freigabe um 30 % bis 50 % verkürzen können. Dies erklärt, warum das Unternehmen das Format als Brücke zwischen traditioneller Drama-Ökonomie und KI-nativer Produktion forciert.

Internationales Geschäft wird zum Wachstumsmotor

Außerhalb Festlandchinas stieg der Mitgliedschaftsumsatz im Quartal um 40 % gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen bezeichnet das Geschäft auf Basis der internen Kostenrechnung als profitabel. Die Wachstumszahlen in neueren Märkten waren bemerkenswert: Der Mitgliedschaftsumsatz in Brasilien stieg um über 215 % gegenüber dem Vorjahr, in Mexiko um über 150 % und in arabischsprachigen Märkten um 85 %. Mikro-Dramen sind mittlerweile der zweitgrößte Umsatzträger im Auslandsgeschäft hinter Langform-Dramen; der Umsatz in dieser Kategorie stieg um über 300 % im Jahresvergleich. Original-Mikro-Dramen stellen nun drei der zehn umsatzstärksten Titel international.

SVP Xianghua Yang bezeichnete Thailand als einen früheren und reiferen Markt, der als „Testgelände“ für ein wiederverwendbares Betriebsmodell dient: Chinesische Drama-Inhalte bilden die Basis, ergänzt durch lokale Adaptionen und Partnerschaften mit lokalen Mobilfunkanbietern und Zahlungsdienstleistern. Dieses Modell repliziert das Unternehmen nun in Lateinamerika und im Nahen Osten, anstatt wahllos zu expandieren. „Unsere Strategie ist es nicht, der Anzahl der Länder hinterherzujagen“, sagte Yang. „Wir lassen uns von der Stückökonomie und dem operativen Ergebnisbeitrag leiten.“

Mitgliedschaften und Werbung: Stabil, nicht spektakulär

Das Kerngeschäft bleibt gemischt. Der Umsatz mit Mitgliedschaftsdiensten sank sequenziell um 4 % auf 4,0 Milliarden RMB, was das Management auf Saisonalität zurückführte. Der Umsatz mit Online-Werbung blieb mit 1,2 Milliarden RMB unverändert. Der Umsatz aus der Content-Verwertung stieg sequenziell um 9 % auf 681,5 Millionen RMB. Im Werbegeschäft lieferten kleine und mittelständische Werbetreibende sowie Sektoren wie KI-Anwendungen, Instant-Retail und E-Commerce ein starkes Wachstum gegenüber dem Vorjahr, was auf eine Diversifizierung weg von traditionellen Markenwerbern hindeutet. Die Content-Kosten stiegen sequenziell um 2 % auf 3,8 Milliarden RMB, während die operativen Ausgaben aufgrund disziplinierter Marketingausgaben um 6 % sanken – eine Kombination, die den schrumpfenden operativen Verlust erklärt.

Bilanz und Kapitalrückführung

iQIYI schloss das Quartal mit 4,1 Milliarden RMB an Barmitteln, Barmitteläquivalenten, zweckgebundenen Barmitteln und kurzfristigen Anlagen ab. Zudem legte das Unternehmen eine Darlehensforderung in Höhe von 636,6 Millionen $ gegenüber PAG offen, die unter den Vorauszahlungen und sonstigen Vermögenswerten in der Bilanz ausgewiesen ist – ein beträchtliches Engagement bei einer nahestehenden Partei, das Investoren im Auge behalten dürften. Das Unternehmen kauft im Rahmen eines im März 2026 genehmigten und bis September 2027 laufenden Aktienrückkaufprogramms über 100 Millionen $ eigene Aktien zurück. Bis zum 30. Juni wurden rund 21,6 Millionen ADS für 24,1 Millionen $ zurückgekauft.

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