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ITM Power vollzieht Schwenk zum Build-Own-Operate-Modell mit 150-MW-Raffinerie-Deal – Finanzierung jedoch ungeklärt, Barmittel sinken auf 170 bis 180 Millionen GBP

Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des Geschäftsjahres 2026 und Ausblick für das Geschäftsjahr 2027, 19. Oktober 2026

Hydropulse: Transformativ in der Dimension, aber Finanzierung steht noch aus

Die weitreichendste Bekanntgabe betraf die Details zu Hydropulse, dem Build-Own-Operate-Modell von ITM Power. Das Management hat eine Absichtserklärung (Heads of Terms) mit einer ungenannten EU-Ölraffinerie über eine 150-Megawatt-Anlage mit einem geplanten zehnjährigen Betriebsvertrag unterzeichnet. Der Kunde stellt das Grundstück und die Versorgungsleitungen einschließlich Strom bereit, wodurch ITM keinem Strompreisrisiko ausgesetzt ist. Eine gemeinsame Machbarkeitsstudie (FEED) läuft bereits; die Investitionsentscheidung (FID) ist für 2027 und die Wasserstoffproduktion für 2029 anvisiert. CEO Dennis Schulz sagte, das Projekt sei „mit Abstand der bisher größte Vertrag für ITM“. Der Wermutstropfen ist, dass es sich hierbei um eine Absichtserklärung und nicht um einen festen Vertrag handelt.

CFO Amy Grey legte das Cash-Profil dieses Modells dar, das sich stark von Geräteverkäufen unterscheidet. Geräteverkäufe seien „im schlimmsten Fall cashflow-neutral“, da Mittelzuflüsse von Kunden die Ausflüsse finanzieren. Hydropulse umfasst eine zwei- bis dreijährige Bauphase ohne Kundengelder, gefolgt von einer zehnjährigen Betriebsphase, die von Beginn an Barmittel generiert. Da in den ersten Jahren Schulden getilgt werden müssen, würde es dennoch „einige Jahre dauern, bis der kumulierte Cashflow positiv wird“.

Grey erklärte, ITM könne ein 10-Megawatt-Projekt aus der eigenen Bilanz finanzieren, aber 150 Megawatt seien „eine andere Dimension und ein anderer Maßstab“. Gespräche mit Banken über eine projektbezogene Betriebsmittelfinanzierung für die Bauphase laufen. Zwei Rückzahlungswege werden geprüft. Der erste ist die herkömmliche Tilgung aus den Betriebseinnahmen. Der zweite besteht darin, Kundenzahlungen zu Beginn der Betriebsphase vorzuziehen, was de facto eine umsatzbasierte Finanzierung des Projekts darstellen würde. Damit könnten die Schulden getilgt, der Rest des Vertrags finanziert und potenziell andere Projekte angestoßen werden. Grey sagte, die Anlage werde ab dem ersten Betriebstag profitabel sein, bei gleichbleibenden, inflationsgebundenen Monatsrechnungen und stabilen Betriebskosten.

Investoren sollten beachten, dass keine Finanzierungsbedingungen, Projektkosten oder Renditekennzahlen offengelegt wurden. Da die Barmittel zum Ende des Geschäftsjahres 2027 voraussichtlich bei 170 bis 180 Millionen GBP liegen werden, ist die 150-Megawatt-Anlage eindeutig zu groß für eine Finanzierung aus der Bilanz, und die Lebensfähigkeit des Modells hängt davon ab, wie viel Drittkapital dafür eingeworben werden kann.

Ausblick: Umsatz steigt, Verluste gehen langsam zurück, Cash-Burn hält an

Für das Geschäftsjahr 2027 (per 30. April 2027) stellte ITM einen Umsatz von 50 bis 60 Millionen GBP in Aussicht, verglichen mit 43,6 Millionen GBP im Geschäftsjahr 2026, was einem Anstieg von 68 Prozent und einem Rekordwert entspricht. Der bereinigte EBITDA-Verlust wird auf 17 bis 20 Millionen GBP beziffert, nach 20,2 Millionen GBP im Geschäftsjahr 2026 und 33 Millionen GBP im Geschäftsjahr 2025. Das ist eine bescheidene Verbesserung. Grey führte die Verluste hauptsächlich auf die Fabrikauslastung zurück und erklärte, die Produktionsbasis und Kostenstruktur sei „auf die Unterstützung eines höheren Produktionsvolumens ausgerichtet“. Der Kassenbestand zum Jahresende wird mit 170 bis 180 Millionen GBP prognostiziert, nach 215,6 Millionen GBP zuvor. Diese Zahl beinhaltet bereits die ersten Investitionen (Capex) für die Chronos-Fertigungslinie und impliziert einen Mittelabfluss von etwa 35 bis 45 Millionen GBP.

Die Zusammensetzung des Umsatzes verändert sich. Etwa zwei Drittel des Umsatzes im Geschäftsjahr 2027 dürften aus profitablen Verträgen stammen, die überwiegend ratierlich nach dem Leistungsgrad (Percentage-of-Completion-Methode) bei den Projekten Poseidon und Neptune verbucht werden. Das verbleibende Drittel entfällt auf Altkontrakte, für die vollständige Rückstellungen gebildet wurden und die keinen Bruttogewinn beisteuern. Grey bezifferte den Altbestand an Aufträgen (Backlog) auf rund 25 Millionen GBP, die fast vollständig im Geschäftsjahr 2027 realisiert werden sollten. Das Management nannte keinen Zeitplan für das Erreichen der EBITDA-Gewinnschwelle.

Ertragsqualität im Geschäftsjahr 2026: Auflösung von Rückstellungen beschönigte die Verbesserung

Der Bruttoverlust verringerte sich von 23,7 Millionen GBP auf 6,1 Millionen GBP. Ein Teil dieser Verbesserung resultierte aus betrieblicher Hebelwirkung und Kostendisziplin, jedoch erklärte Grey, die Fortschritte bei den Projekten Lingen 1 und Lingen 2 hätten „größere Klarheit über die verbleibenden Fertigstellungskosten“ geschaffen, was dem Unternehmen die Auflösung von Rückstellungen aus früheren Perioden ermöglicht habe. Dieselben Rückstellungsauflösungen trieben das EBITDA-Ergebnis im Geschäftsjahr 2026 über die Prognosen. Investoren sollten das Geschäftsjahr 2026 daher als eine geschönte Basis betrachten. Von den 40,7 Millionen GBP an Geräteerlösen entfielen 36,8 Millionen GBP auf zu einem bestimmten Zeitpunkt realisierte Altkontrakte. Lediglich 3,9 Millionen GBP stammten aus Neptune- und Poseidon-Verträgen nach der Percentage-of-Completion-Methode.

Der Auftragsbestand belief sich auf 144 Millionen GBP, verglichen mit 145,1 Millionen GBP im Vorjahr, womit ITM den ausgelieferten Umfang wieder auffüllte. Der Anteil profitabler Verträge stieg von 60 Prozent im April 2025 auf 83 Prozent. Als Schulz im Januar 2023 an Bord kam, lag dieser Wert bei 0 Prozent. Die verbleibenden 17 Prozent entfallen auf Altarbeiten, die vollständig rückgestellt sind. Die Veröffentlichung der Ergebnisse verzögerte sich zudem aufgrund einer Erstprüfung durch BDO, die durch einen Partnerwechsel erschwert wurde, nachdem der ursprüngliche Partner aus persönlichen Gründen beurlaubt worden war.

Große Projekte bringen größere Gewinnchancen und unregelmäßigere Aufträge

Schulz betroff, Raffinerien seien die größte Nachfragequelle und „dominieren heute direkt oder indirekt unsere Vertriebspipeline“. Treiber ist das RED-III-Ziel für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs (RFNBO) von 42 Prozent bis 2030. Die Nachfrage aus dem Mobilitätssektor, die 2021 bis 2025 einen großen Teil der Pipeline bei 2- bis 10-Megawatt-Projekten ausmachte, ist moderat zurückgegangen. Das Interesse aus der Stahl-, Zement- und Chemieindustrie stagniert, ebenso die Nachfrage nach Ammoniak und Düngemitteln, die Schulz angesichts der Importabhängigkeit als „überraschend“ bezeichnete. Die Nachfrage von Energieunternehmen zur Umwandlung von überschüssigem Ökostrom ist stabil, und er rechnet mit weiterem Wachstum.

Die Verlagerung hin zu größeren Projekten begünstigt die Produkte NEPTUNE V und Alpha 50. Sie verlängert zudem den Weg bis zur Investitionsentscheidung (FID) und lässt den Auftragseingang unregelmäßiger werden. Schulz sagte, es sei „ziemlich schwarz oder weiß“, und Aufträge könnten sich zwischen den Geschäftsjahren verschieben, wobei „eine geringere Anzahl sehr großer Projekte“ einen stetigen Strom kleiner Aufträge ersetze. Sein Argument ist, dass nur eine Handvoll von Lieferanten in der Lage ist, diese Größenordnung glaubwürdig zu bedienen. ITM betreibt mit der 100-Megawatt-Anlage Lingen 1 für RWE den nach eigenen Angaben weltweit größten PEM-Elektrolyseur und Europas größten operativen Elektrolyseur jeglicher Technologie. Lingen 2 ist zu 60 Prozent in Betrieb genommen, und das REFHYNE-II-Projekt von Shell schreitet voran. Das Unternehmen meldete zudem, dass seine erste NEPTUNE V-Einheit für Guttroff die vertraglich vereinbarten Effizienz- und Produktionsraten bei der Werksabnahmeprüfung übertroffen hat. Zu den vor der FID stehenden Lieferantenauswahlen gehören das 120-Megawatt-Humber-Projekt von Uniper, ein vertrauliches asiatisches Projekt mit einer Leistung von über 300 Megawatt, zwei Stablegrid-Projekte mit zusammen 710 Megawatt sowie eine Kapazitätsreservierung von 150 Megawatt mit RWE. Keines davon ist ein festes Auftragsverhältnis, und der Zeitraum bis zur FID bleibt die größte Unbekannte.

Rheinmetall: Strategisch interessant, aber noch im Frühstadium

ITM arbeitet mit Rheinmetall an dessen Giga-PtX-Programm, das mehrere hundert modulare Power-to-X-Anlagen vorsieht, die mittels Fischer-Tropsch-Synthese synthetischen Diesel, Kerosin und Schiffstreibstoff aus grünem Wasserstoff und abgeschiedenem CO2 herstellen. Der Fokus liegt auf Großbritannien und Deutschland; die Gespräche mit beiden Regierungen werden als positiv beschrieben. Das Management lehnte es ab, ein Datum für Pilotprojekte zu nennen, und verwies auf die Unberechenbarkeit staatlicher Prozesse. Schulz erklärte, es sei noch nicht entschieden, ob ein etwaiges Projekt als Geräteverkauf oder in einer Hydropulse-Eigentümerstruktur abgewickelt werde. Investoren sollten dies als Option und nicht als Pipeline betrachten.

Chronos und britische Unterstützung: Fortschritte, aber kein kommerzielles Datum

Das britische Unterstützungspaket im Umfang von 85,5 Millionen GBP setzt sich aus einer Eigenkapitalinvestition von Great British Energy in Höhe von 40 Millionen GBP (Nettoerlös 39,2 Millionen GBP) sowie einem DESNZ-Zuschuss von 45,5 Millionen GBP zusammen. Es finanziert die Validierung des Chronos-Stacks und eine Fertigungslinie mit einer Kapazität von 1 Gigawatt pro Jahr in Sheffield neben der bestehenden Trident-Linie. Im Text des Conference Calls wird an anderer Stelle zudem die Zahl von 86,5 Millionen GBP genannt, weshalb dieser Betrag anhand der Unternehmensberichte verifiziert werden sollte. Chronos weist inzwischen mehr als 20.000 Betriebsstunden auf Komponenten-, Zellen- und Short-Stack-Ebene auf. Die Materialstückliste ist definiert, und die Fertigungsprozesse werden validiert. Das Horizon-Programm hat die Investitionsentscheidung (FID) erreicht, wobei Simon Bourne anmerkte, Kapital werde „von Fall zu Fall“ zugesagt. ITM wird in den kommenden Wochen seinen ersten DESNZ-Zuschussantrag einreichen. Ein Vertreter für den Vorstand von Great British Energy wurde noch nicht ernannt.

ITM lehnte es zudem ab, eine Prognose für den kommerziellen Marktstart von Chronos abzugeben, um Umsätze mit Trident-basierten Produkten nicht zu kannibalisieren. Die Investitionen (Capex) stiegen, unterstützt durch die Installation der automatischen Stack-Montageanlage, auf 13,2 Millionen GBP.

Marktumfeld: Europa an erster Stelle, Verzögerungen in UK, Überkapazitäten in China

Schulz bekräftigte, dass Europa einschließlich Großbritanniens und der nordischen Staaten der Schwerpunkt von ITM ist, wobei Deutschland der größte Markt ist und die Aktivitäten auf der Iberischen Halbinsel sowie in Polen zunehmen. Er bezeichnete Großbritannien als „etwas hinter den Erwartungen zurückliegend“ und sagte, die HAR2-Förderung sei „etwas ins Stocken geraten“. Er forderte die Regierung auf, „einfach Nägel mit Köpfen zu machen und die HAR2-Mittel zu vergeben“. Das Management meldete frühe Kontakte im Hinblick auf HAR3. Die USA „bleiben unter der aktuellen Regierung eine Herausforderung“, und Asien sei zwar vielversprechend, hinke Europa jedoch weit hinterher. Über China äußerte er sich unverblümt: „Der chinesische Markt ist ein Blutbad. Die Wettbewerber unterbieten sich gegenseitig auf Kostenebene, und wir gehen davon aus, dass viele von ihnen ausscheiden werden.“ Er fügte hinzu, dass „viele endgültige Investitionsentscheidungen weiterhin länger als erwartet dauern“.

Zu Rechenzentren sagte Bourne, grüner Wasserstoff spiele zwar eine Rolle, werde aber „derzeit etwas überhypt“, da ihm die Anreize fehlten, die Raffinerien genießen. ITM verfolge diesen Bereich lediglich auf „strukturierte, von unten nach oben gerichtete Weise“.

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