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Kingsoft Cloud erreicht operativen Gewinn – KI-Cloud-Umsätze steigen um 82 %, MaaS-Erlöse verzwölffachen sich

Ergebnisbericht zum zweiten Quartal 2026, 19. August 2026

Kingsoft Cloud hat das stärkste Quartal seiner Unternehmensgeschichte hinter sich. Der Gesamtumsatz überstieg erstmals die Marke von 3 Milliarden RMB, und – was noch bemerkenswerter ist – das Unternehmen erzielte zum ersten Mal eine positive bereinigte operative Marge. Diese Ergebnisse markieren einen Wendepunkt für einen Konzern, der jahrelang Wachstum durch Verluste subventioniert hat. Das Management ist nun davon überzeugt, dass das KI-Cloud-Geschäft eine Größenordnung erreicht hat, in der Profitabilität und Wachstum koexistieren können.

KI-Cloud-Abrechnungen und MaaS als Wachstumstreiber

Der Gesamtumsatz erreichte 3,07 Milliarden RMB, was einem Anstieg von 31 % gegenüber dem Vorjahr und 40 % gegenüber dem Vorquartal entspricht. Die entscheidende Kennzahl liegt jedoch im Detail: Die Bruttoabrechnungen der KI-Cloud stiegen im Jahresvergleich um 82 % auf 1,33 Milliarden RMB. Sie machen nun 56 % des Public-Cloud-Umsatzes und über 43 % des Gesamtumsatzes aus, nach 31 % im Vorjahr. CFO Yi Li bezeichnete dies als „anhaltende strukturelle Verschiebung unseres Geschäftsmixes in Richtung KI“ – eine Einschätzung, die durch die Zahlen untermauert wird.

Besonders hervorzuheben ist der Umsatz mit Model-as-a-Service (MaaS), der sich gegenüber der niedrigen Basis des ersten Quartals mehr als verzwölffacht hat. Die StarFlow-Plattform des Unternehmens unterstützt mittlerweile 120 Modelle und bedient über 230 Unternehmenskunden, wobei neue Modelle zeitnah zu ihrer Markteinführung integriert werden. Das Management erläuterte die Strategie hinter diesem Geschäftsmodell deutlich: Im Gegensatz zu vielen Full-Stack-Cloud-Wettbewerbern verfügt Kingsoft Cloud über keine eigenen Large Language Models (LLMs). Die Führungsebene wertet dies nicht als Nachteil, sondern als Wettbewerbsvorteil. „Wir sind nicht darauf angewiesen, die LLMs unserer verbundenen Unternehmen zu verkaufen“, erklärte ein Manager. Diese Neutralität ermögliche es dem Vertriebsteam, genau das Modell – etwa GLM oder andere – anzubieten, das der Kunde tatsächlich wünscht. CFO Li Yi ergänzte, dass MaaS „in diesem Stadium eine deutlich höhere Profitabilität bietet als reine KI-Rechenleistung“, was ein direktes Signal an Investoren ist, woher die zusätzlichen Margen stammen.

Wende zur Profitabilität ist real, doch die Margenqualität erfordert Prüfung

Die bereinigte Bruttomarge stieg um 2,4 Prozentpunkte gegenüber dem Vorquartal auf 15,4 %, und die bereinigte operative Marge erreichte einen Rekordwert von 4,0 %, verglichen mit minus 7,1 % im Vorjahr und minus 2,2 % im vorangegangenen Quartal. Der bereinigte Nettoverlust verringerte sich auf lediglich 6 Millionen RMB, nach 300 Millionen RMB im Vorjahr – das Unternehmen arbeitet damit faktisch am Break-even. Das Non-GAAP-EBITDA stieg im Jahresvergleich um 171 % auf 1,1 Milliarden RMB, obwohl die EBITDA-Marge von 82 % im Vorquartal auf 36 % sank. Dies spiegelt die gestiegenen Abschreibungen und Finanzierungskosten wider, die mit dem beschleunigten Ausbau der KI-Infrastruktur einhergehen. Die Abschreibungen kletterten im Jahresvergleich um 75 % auf 964 Millionen RMB – ein Hinweis darauf, dass die Kapitalintensität des Geschäfts trotz verbesserter Stückkosten zunimmt. Investoren sollten den Wendepunkt bei der operativen Marge als echten Fortschritt werten, doch die Verlangsamung der EBITDA-Marge dient als notwendiges Korrektiv zur optimistischen Darstellung im Earnings Call.

CapEx-Prognose trotz Chip-Engpässen stabil

Das Management bestätigte die Investitionsprognose (CapEx) für das Gesamtjahr von 15 Milliarden RMB. Im ersten Halbjahr beliefen sich die Investitionen, einschließlich geleaster Vermögenswerte, bereits auf 6,2 Milliarden RMB – das entspricht über 75 % des Vorjahreswerts. Hinsichtlich der Chipbeschaffung räumte SVP Kaiyan Tian ein, dass die Lieferengpässe inzwischen struktureller Natur sind: „Seit 2023, also seit drei Jahren, hört der Markt immer wieder von begrenzten Lieferungen... Ich würde sagen, das ist mittlerweile der neue Normalzustand.“ Das Unternehmen reagiert darauf mit einer Diversifizierung der Zulieferer und einer erhöhten Kompatibilität mit chinesischen Inlands-Chips, die laut Tian „insbesondere bei Anwendungsfällen wie der Modell-Inferenz sehr leistungsfähig sind“. Dies ist eine wichtige Offenlegung für Investoren, die Chinas Bestrebungen zur Chip-Autarkie verfolgen: Kingsoft Cloud richtet seine Galaxy-Stack-Plattform auf die tiefe Integration verschiedener heimischer KI-Chips aus, anstatt auf eine Normalisierung der ausländischen Lieferungen zu warten.

Schwäche im Enterprise-Cloud-Geschäft erklärt, aber nicht vollständig gelöst

Der Umsatz im Bereich Enterprise Cloud blieb mit 714 Millionen RMB im Jahresvergleich nahezu unverändert (leicht unter den 724 Millionen RMB des Vorjahres) und ist damit das zweite Quartal in Folge rückläufig. Das Management nennt drei Gründe: gestiegene Vorleistungspreise, die zu Verzögerungen bei Budgetentscheidungen von Staatsunternehmen und Behörden geführt haben, eine übliche Saisonalität, die Auslieferungen im Enterprise-Segment in die zweite Jahreshälfte verlagert, sowie eine bewusste Umstellung von projektbasierten auf betriebsbasierte Verträge, die nach Abschluss als Public-Cloud-Umsatz klassifiziert werden. Letzteres ist beachtenswert: Die scheinbare Schwäche im Enterprise-Segment ist teilweise auf eine buchhalterische Umklassifizierung zurückzuführen und nicht auf einen tatsächlichen Nachfragerückgang. Dennoch bedeutet dies, dass das Enterprise-Segment in der Berichterstattung auch künftig schwach erscheinen dürfte.

Preissetzungsmacht bei Speicher und Rechenleistung erkennbar

Ein weniger offensichtlicher Datenpunkt: Kingsoft Cloud hat die Preise sowohl für Speicher als auch für Rechenleistung im Zusammenhang mit der KI-Nachfrage erhöht, wobei Kunden die Aufschläge laut Unternehmen ohne nennenswerten Widerstand akzeptieren. Das Management erklärte, dass Preiserhöhungen bei Speicherkapazitäten nur einen kleinen Teil der gesamten KI-Cloud-Rechnung ausmachen, während bei der Rechenleistung die PaaS- und Netzwerk-Betriebskompetenz des Unternehmens den Aufschlag rechtfertige. In einigen Fällen habe das Unternehmen die Marge sogar ausgeweitet, anstatt lediglich die Kosteninflation weiterzugeben – ein Anzeichen für Preissetzungsmacht, das für einen Cloud-Infrastrukturanbieter ungewöhnlich ist und für die Branche als Indikator dienen könnte.

Ökosystem-Bindung an Xiaomi bleibt Wachstumsanker

Der Umsatz aus dem Xiaomi- und Kingsoft-Ökosystem stieg im Jahresvergleich um 28 % auf 810 Millionen RMB, was 26 % des Gesamtumsatzes entspricht. Die fünf größten Kunden außerhalb dieses Ökosystems wuchsen jedoch um 51 %, was belegt, dass das Wachstum außerhalb des „Gefangenen-Ökosystems“ das interne Wachstum übertrifft. Die Aktionäre stimmten im Juni einer Erhöhung der jährlichen Obergrenzen für Transaktionen mit Xiaomi zu, wodurch das kombinierte Limit für 2026-2027 auf 10 Milliarden RMB angehoben wurde – ein Plus von 39 %. Der Public-Cloud-Umsatz mit Xiaomi und Kingsoft wuchs im ersten Halbjahr im Jahresvergleich um 54 %, getrieben durch Xiaomis KI-Expansion im „Human x Car x Home“-Ökosystem und die kontinuierliche Entwicklung von WPS AI.

Analysten – unter anderem von CICC, CLSA, Goldman Sachs, UBS und Morgan Stanley – hinterfragten im Call wiederholt die Nachhaltigkeit der Margen und die Wettbewerbsposition gegenüber Full-Stack-Cloud-Anbietern mit proprietären Modellen. Die Antwort des Managements blieb konsistent: Neutralität sei ein Merkmal, keine Einschränkung. Die Kombination aus der vertraglichen Stabilität der Rechenleistung und der margenstärkeren Flexibilität von MaaS biete dem Unternehmen zwei komplementäre Hebel, um durch Konjunkturzyklen zu steuern. Ob diese These Bestand hat, während größere, kapitalstarke Wettbewerber verstärkt in den Markt für neutrale MaaS-Angebote vordringen, bleibt der entscheidende Faktor für die künftige Kursentwicklung der Aktie.

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